Bernhard Walter
Spekulationen schaden Bilfinger-Aufsichtsrat

Monatelang war unklar, wer neuer Chef des Baukonzerns Bilfinger Berger wird. Das hat den Aufsichtsratsvorsitzenden Bernhard Walter nicht gut aussehen lassen; zu sehr gingen die Spekulationen und Meldungen hin und her - auch zu Roland Koch.
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DÜSSELDORF/FRANKFURT. Jetzt ist die Personalie bestätigt, endlich. Denn lange war unklar, ob der frühere Ministerpräsident von Hessen, Roland Koch, neuer Chef des Baukonzerns Bilfinger Berger wird. Dass diese Personalie seit Monaten die Republik beschäftigt, ließ Aufsichtsratschef Bernhard Walter nicht gut aussehen. Entsprechende Spekulationen und Meldungen dementierte Deutschlands zweitgrößter Baukonzern erst und lange heftigst. Schließlich erklärte Walter aber: "Ja, wir reden mit Roland Koch seit Mitte September."

Am Freitag ist der Aufsichtsrat von Bilfinger Berger in Mannheim zusammengekommen, um über die Personalie zu entscheiden. Ob der Wunschkandidat durchgewinkt wird, war lange unklar. Denn Walter hatte mit seinem Alleingang einige im Kontrollgremium düpiert. Die knallharten Dementis wurden auch damit erklärt, dass Walter Informationen gegenüber Aufsichtsratskollegen knapp gehalten hat. "Wenn man Infos aus der Zeitung erfahren muss, ist das natürlich nicht vertrauensbildend", heißt es.

So hatte Walter zwar früh professionelle Headhunter eingeschaltet. Doch die Suche zog sich. Fünf interne und externe Kandidaten soll es geben. Offensichtlich überzeugte niemand - bis der Kandidat Koch ins Gespräch kam. Doch wie Walter sind nicht alle anderen Aufsichtsratsmitglieder von Koch angetan. Natürlich könne dieser mit seinem exzellenten Netzwerk helfen und habe auch Führungserfahrung. Aber Expertise für das mit vielen Eigenarten behaftete Baugeschäft bringe Koch nicht mit.

Für die Suche hatte Walter alle Zeit der Welt. Seit langem steht fest, dass der 62-jährige Herbert Bodner Mitte kommenden Jahres abtritt. Seit fast einem Jahr wird nach einem Nachfolger gefahndet. "Wir suchen seit längerem intern und extern einen Nachfolger", erklärte Stephan Brückner, stellvertretender Aufsichtsratschef, im Februar. Und noch im April versicherte der noch amtierende Vorstandschef Bodner: "Es wird einen geordneten Übergang von der einen zur nächsten Generation geben."

Und so musste Walter noch Überzeugungsarbeit leisten, was ihm als Multiaufsichtsrat (Telekom, Daimler, Henkel) gelingen sollte. Der 68-Jährige hat seine Karriere in der Finanzwirtschaft gemacht. Bei der Dresdner Bank stieg der gelernte Bankkaufmann 1998 an die Spitze auf. Er wollte sie auf sichere Beine stellen und strebte die Fusion mit der Deutschen Bank an. Doch diese scheiterte, Walter trat zurück.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt

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