Bernhardt kann durchaus kräftig "zubeißen"
Der Kopf hinter der FAZ

Wolfgang Bernhardt will die Frankfurter Allgemeine auf Kurs bringen und dann in den Aufsichtsrat zurückkehren. Seit Anfang 2003 beißt sich Bernhardt als Vorsitzender der Geschäftsführung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung durch die Krise der überregionalen Zeitungen, die auch die FAZ getroffen hat.

DÜSSELDORF. Spannung merkt man Wolfgang Bernhardt meist nur an der linken Hand an. Sie öffnet und schließt er, während die rechte ruhig bleibt. Oft streckt er zunächst den Zeigefinger, dem dann die anderen Finger nacheinander folgen. Die rechte Hand kommt erst in Bewegung, wenn sich die Spannung löst und er seine Worte mit Gesten unterstreicht.

Seit Anfang 2003 beißt sich Bernhardt als Vorsitzender der Geschäftsführung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung durch die Krise der überregionalen Zeitungen, die auch die FAZ getroffen hat. Und gerade wegen des bisherigen Erfolgs im Anzeigengeschäft hat es den Marktführer bei Stellenannoncen schwer erwischt. Zwischen 2001 und 2003 verliert die Zeitung fast vierzig Prozent ihrer Anzeigenumfänge, besonders hart getroffen ist der Stellenmarkt. Als Folge schrumpfen nicht nur die Umsätze, die FAZ muss auch rote Zahlen schreiben.

Hinzu kommt, dass der Verlag vor Bernhardts Einstieg auch noch kräftig investierte, nicht nur in die neuen Medien, sondern auch in die Zeitung. Als andere überregionale Blätter schon längst einen Einstellungsstopp verfügt hatten, veröffentlichte die FAZ im Herbst 2001 stolz eine lange Liste neuer Redaktionsmitglieder, die anderswo abgeworben worden waren. Ein erheblicher Teil der damals Geheuerten ist inzwischen wieder ausgeschieden.

Bernhardt hat harte Schnitte machen müssen und dabei eine Strenge und Härte bewiesen, die man ihm auf den ersten Blick nicht zutraut. Stets korrekt in Anzügen mit gedeckten Farben und Weste gekleidet, sind die Gesichtszüge eher mild, volle Lippen, hohe Stirn, kräftige Brauen, graublaue Augen. Mag er auch oft – mit einem Hauch Ironie – lächeln: Wenn nötig, kann dieser Mann durchaus kräftig zubeißen.

Bernhardt hat seit 2003 viel bewegt, doch auch die jüngsten Zahlen beweisen, wie viel Arbeit noch vor der FAZ liegt. Dass es so schwer werden würde, hätte Bernhardt wohl selbst nicht gedacht, als er sich auf das Wagnis einließ: Denn der Honorarprofessor der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig hätte sich den Job in Frankfurt nicht antun müssen. Auf die Frage weshalb, zitiert er gerne die Chinesen: „Man muss etwas erledigen, bevor es geschieht.“

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