Bert Nordberg
Raubein aus der zweiten Reihe

Leicht wird es nicht werden, das ist ihm schon klar. Doch für Bert Nordberg war Gegenwind noch nie ein Hindernis auf dem Weg nach oben. Nun rückt der 53-jährige Schwede überraschend an die Spitze von Sony Ericsson. Er soll den angeschlagenen Handyhersteller schnell wieder auf Kurs bringen.

STOCKHOLM. Je stärker es blies, desto gradliniger wurde sein Weg. Jetzt ist der Nordberg ganz oben angekommen: Ab Mitte Oktober übernimmt er die Leitung des angeschlagenen japanisch-schwedischen Handyherstellers Sony Ericsson.

Nordberg löst den Japaner Dick Komiyama ab, der sich in den Ruhestand verabschiedet. Der Sony-Mann wird also von einem Ericsson-Mann ersetzt. Ist das die neue Strategie? Will Ericsson das Ruder beim kleinen Handyhersteller übernehmen? Wohl kaum. „In einem Joint Venture ist der Aufsichtsratsvorsitzende die wichtigste Person, das Bindeglied zwischen beiden Unternehmen“, sagt die angesehene Telekomanalystin Helena Nordman-Knutson von Öhman Equities in Stockholm.

Und einen neuen Aufsichtsratsvorsitzenden benannte Sony Ericsson gestern gleich mit: Der bisherige Oberaufseher, Noch-Ericsson-Chef Carl-Henric Svanberg gibt den Posten an Sony-Boss Howard Stringer ab. Ende Juni hatte Svanberg angekündigt, Ericsson Anfang des kommenden Jahres zu verlassen, um neuer Aufsichtsratsvorsitzender beim britischen Ölriesen BP zu werden. Die Karten werden also neu gemischt, und es scheint, als würde Sony das Heft stärker in die Hand nehmen.

Doch auch Nordberg hat sich eine deutlichere Führung vorgenommen. Der Mann mit dem fülligen Gesicht und dem leicht ergrauten Haar sieht sich selbst gern als Macher: Nach außen hin jovial, intern bisweilen von Mitarbeitern als etwas raubeinig beschrieben, gefällt er sich in der Rolle des Anpackers. Diese Fähigkeiten werden auch gefragt sein. Denn der Schwede übernimmt die Leitung eines schwer angeschlagenen Unternehmens. Sony Ericsson, 2001 angetreten, um im internationalen Handymarkt zu den großen drei – damals Nokia, Motorola und Samsung – aufzurücken, sieht sich heute, acht Jahre später, zu einem Nischenhersteller mit einem Marktanteil von nicht einmal mehr fünf Prozent degradiert.

Das Joint Venture konnte in den ersten Jahren nach der Gründung noch vom Know-how Sonys bei Kameras und Musikspielern profitieren. Doch der Markt ändert sich schnell, und heute ist Sony Ericsson nahezu der einzige Handyproduzent ohne richtiges Smartphone mit Touchscreen. „Die haben die Entwicklung vollkommen verpennt“, sagt ein Stockholmer Analyst. Das ist zwar auch anderen Handyproduzenten passiert. Doch wenn Marktführer Nokia ein wenig spät mit UMTS-Handys kommt oder den Trend zu Klapptelefonen verpasst, ist nicht gleich die Existenz des ganzen Konzerns in Gefahr. Bei Sony Ericsson schon. Das Unternehmen ist vom Goodwill der Mutterkonzerne abhängig, die bislang allen anders lautenden Meldungen zum Trotz hinter dem Joint Venture stehen und notfalls sogar neues Kapital zuschießen würden.

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