Bertelsmann
Hartmut Ostrowski: Herr der Lämmer

Hartmut Ostrowski hat in seinem ersten Jahr an der Spitze den Bertelsmann-Konzern umgebaut. Nun gibt er seine Wachstumsprognose auf - und spart. Die Rezession setzt Europas größter Medien-Gruppe kräftig zu.

BERLIN. Nervös rollt Hartmut Ostrowski die Bügel seiner silbernen Lesebrille zwischen Daumen und Zeigefinger. Mit unruhigen Augen mustert der Bertelsmann-Chef die Gäste im Parkett. Schließlich ballt er die Faust, während Finanzvorstand Thomas Rabe am Rednerpult die Details der Bilanz von Europas größtem Medienkonzern in gewohnter Eloquenz präsentiert.

Die Vorstellung der Jahresbilanz im Berliner Fünf-Sterne-Hotel Hyatt ist für Ostrowski, der vor 15 Monaten den Chefsessel in Gütersloh übernommen hat, keine Vergnügungsshow. Denn die Zahlen sind enttäuschend. Von seinen einstigen Zielen ist er weit entfernt. Die Erlöse sanken im vergangenen Jahr um 0,5 Prozent auf 16,1 Milliarden Euro. Der Konzerngewinn brach wegen Wertberichtigungen beim britischen Sender Five und bei der seit Jahren kriselnden Buchklubsparte auf 270 Millionen Euro ein, nach 405 Millionen Euro im Vorjahr. Damit verfehlte Bertelsmann sein Ziel von rund 800 Millionen Euro Nettogewinn. Der operative Gewinn (Ebit) sank um 8,7 Prozent auf 1,57 Milliarden Euro. Die globale Wirtschaftskrise setzt dem viertgrößten Medienkonzern der Welt zu.

Ostrowski hat es an diesem Vormittag schwer, sich die früher so heile Medienwelt schönzureden. "2008 war in der Gesamtschau ein solides und gutes Jahr für Bertelsmann", intoniert der 51-jährige Bielefelder zwar mit fester Stimme.

Doch Ostrowski, der abgesehen von einem kurzen Abstecher nach München sein ganzes Berufsleben bei Bertelsmann verbracht hat, ist von seinen ehrgeizigen Zielen weiter weg als je zuvor.

Beim Amtsantritt wollte der Bielefelder den Umsatz bis 2015 weltweit auf mehr als 30 Milliarden Euro steigern. Der operative Gewinn sollte bis dahin auf über drei Milliarden Euro steigen. Die Latte, die sich der bekennende Mallorca-Fan gelegt hatte, war schon damals sehr hoch. Heute - mitten in der Rezession - droht das Erreichen der Zielmarke zu einer "mission impossible" zu werden.

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