Bertelsmann-Patriarch ist tot
Reinhard Mohn: Präsent bis zuletzt

Der langjährige Bertelsmann-Chef Reinhard Mohn ist tot. Mit ihm verlässt eine der prägenden Unternehmerpersönlichkeiten der Bundesrepublik die Bühne. Bei Europas größtem Medienkonzern endet eine Epoche. Gerade in Krisenzeiten ist Mohns unternehmerischer Erbe so gefragt wie nie zuvor.
  • 0

GÜTERSLOH. Der Abschied war still. Reinhard Mohn ist auf seinem Bauernhof bei Steinhagen unweit von Gütersloh am Samstag friedlich entschlafen wie die Bertelsmann-Unternehmensgruppe am Sonntag mitteilte. Mit dem Tod des 88-jährigen Medienunternehmers geht bei Bertelsmann eine Epoche zu Ende. Reinhard Mohn führte in der fünften Generation das einstige Verlagshaus aus Ostwestfalen an die Weltspitze. Heute ist Bertelsmann mit über 100 000 Mitarbeitern weltweit Europas größter Medienkonzern.

Der charismatische Unternehmer hat deutsche Wirtschaftsgeschichte geschrieben. Er gehörte nach dem Zweiten Weltkrieg ähnlich wie Max Grundig oder Gustav Schickedanz zu den Gestaltern des schnellen wirtschaftlichen Aufstiegs der Bundesrepublik.

"Bertelsmann ist unser Leben", sagte einmal Liz Mohn in einem Handelsblatt-Interview. Für niemand trifft das besser zu als für Reinhard Mohn. 60 Jahre gestaltete der Unternehmer und Gründer der Bertelsmann-Stiftung Bertelsmanns Geschicke. Bis zum Schluss, bisweilen schon von Krankheiten gebeutelt, ließ er sich von seiner Frau, dem Aufsichtsratschef und Bertelsmann-Stiftungschef Gunter Thielen sowie dem Vorstandsvorsitzenden Hartmut Ostrowski über die Entwicklung seines weltumspannenden Imperiums unterrichten.

Reinhard Mohn war ein Unternehmer zum Anfassen. Am Gütersloher Stammsitz war er präsent bis zuletzt. Für die Beschäftigten in der Konzernzentrale an der Carl-Bertelsmann-Straße gehörte es über Jahrzehnte zur Routine, dass der Milliardär in der Firmenkantine mit seinen Mitarbeitern speiste. So weit es gesundheitlich ging, kam er noch immer in die Zentrale am Stadtrand von Gütersloh. Er scherzte und sprach mit vielen Mitarbeitern, die er teilweise über Jahrzehnte kannte.

Der Schock über seinen Tod sitzt nicht nur in Gütersloh tief. Denn ein Nachkriegsgründer der ersten Reihe ist gegangen. "In diesen Stunden der Trauer hält Gütersloh den Atem an", sagte Bürgermeisterin Maria Unger in einer ersten Reaktion. Reinhard Mohn wurde bereits 1981 zum Ehrenbürger der ostwestfälichen Stadt ernannt. "Wir, das Haus Bertelsmann, unser Land, aber auch unsere Freunde in Europa und Übersee haben eine überragende Unternehmer- und Stifterpersönlichkeit verloren", sagte am Sonntag Vorstandschef Hartmut Ostrowski, der fast sein ganzes Berufsleben unter Reinhard Mohn arbeitete. "Wie kein anderer verkörpert er, was Bertelsmann ist: ein weltoffenes und den Mitarbeitern verpflichtetes Unternehmen."

Die Unternehmenskultur von Bertelsmann ist eine von Mohns größten Errungenschaften. Der partnerschaftliche Umgang mit den Mitarbeitern und die dezentrale Firmenstruktur machten den Konzern in seiner Branche über Jahrzehnte zu einem Giganten. "Reinhard Mohns Führungsverständnis basierte auf Werten wie Freiheit und Menschlichkeit", sagte Ostrowski am Sonntag zu Recht.

Seite 1:

Reinhard Mohn: Präsent bis zuletzt

Seite 2:

Seite 3:

Kommentare zu " Bertelsmann-Patriarch ist tot: Reinhard Mohn: Präsent bis zuletzt"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%