Berthold Beitz wird 90
Preußisch korrekt und distanziert

Berthold Beitz, Ikone der deutschen Wirtschaft und Chef der Alfried Krupp Stiftung, feiert heute seinen 90. Geburtstag.

HB DÜSSELDORF. Er wird es heute wieder kurz machen: Nach dem Grußwort des Bundespräsidenten, der Laudatio von Altkanzler Helmut Schmidt und, bevor das Orchester von Paule Kuhn zur Unterhaltung der rund 500 Ehrengäste aufswingt, wird Prof. Dr. h.c. Berthold Beitz sich an die in dunklem Tuch versammelten Persönlichkeiten wenden. Länger als drei Minuten wird sich dieser Programmpunkt im Festzelt auf dem Gelände der Villa Hügel, des legendären Sitzes der Familie Krupp in Essen, nicht hinziehen. „Ich kann über alles reden, nur nicht über fünf Minuten“, sagt Beitz gerne.

Die Vorstellung, seine Zuhörer zu langweilen, ist dem Ehrenvorsitzenden des Aufsichtsrats von Thyssen-Krupp und Vorsitzenden der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, der am heutigen Freitag seinen 90. Geburtstag feiert, nach wie vor zuwider. Als „bodenständig“ charakterisieren ihn ehemalige Mitarbeiter. Als einen, der seinen prominenten Gästen beim Gala-Dinner gerne eine preußische Kartoffelsuppe vorsetzte – die dann allerdings „vom Feinsten“ war.

Beitz, den Alfried Krupp von Bohlen und Halbach 1953 zu seinem Generalbevollmächtigten berief und den er mit einem angeblich sagenhaften Jahresgehalt von einer Millionen Mark zu einem der mächtigsten Manager im Nachkriegsdeutschland machte, gehörte nicht zum alten Industrie-Establishment an Rhein und Ruhr. Berthold Beitz stammt aus einfachen Verhältnissen. Der gelernte Bankkaufmann hat nicht studiert, war aber weitgehend unbelastet als Leiter der in Polen ansässigen Karparten-Oel AG durch den Krieg gekommen. Er und seine Frau Else, mit der er noch heute verheiratet ist, retteten Hunderte von Juden vor den Vernichtungslagern der SS.

Einer wie er, der auch ein selbstsicherer und charmanter Gesellschafter ist – gut aussehend und immer im besten Frack tanzend –, war der Richtige, um die Pläne der Alliierten zu durchkreuzen: die Zerschlagung der Rüstungsschmiede Krupp.

Ihm gelingt der Neuaufbau – ohne das Rüstungsgeschäft. Statt Kanonen baut Krupp nun hochspezialisierte Industrieanlagen. Er betreibt mit dem Erbverzicht von Krupps einzigem Sohn Arndt auch den Wandel der Eigentümer-Gesellschaft in eine GmbH und später nach der Übernahme von Hoesch in eine Aktiengesellschaft. Beitz persönlich überredet 1976 auch den Schah von Persien, dringend benötigte 1,3 Milliarden Mark in den finanziell angeschlagenen Konzern zu schießen.

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