Berufsverbote
Wenn Manager nicht mehr managen dürfen

In den USA sind Berufsverbote für Manager durch Gerichte keine Seltenheit. Auch in Deutschland lässt das Strafrecht eine solche drakonische Sanktion zu. Staatsanwälte finden auch hierzulande immer mehr Geschmack daran - wegen der Abschreckungswirkung.

DÜSSELDORF. Wegen unsauberer Handelspraktiken mussten die US-Chefs der englischen Fondsgesellschaft Amvescap, Michael Cemo und Edgar Larsen, ihren Hut nehmen. Die Kündigung und eine Geldstrafe von 250 000 Dollar waren aber nur der Anfang: Cemo darf laut Beschluss der Aufsichtsbehörde Securities & Exchange Commission (SEC) in Zukunft nicht mehr als Investmentbanker arbeiten. Larsen gar darf nie wieder ein Wertpapierhaus betreten.

Berufsverbote sind in den Vereinigten Staaten als Strafe keine Seltenheit. "Das sind drastische Maßnahmen, aber das ethische Verhalten von Angestellten in US-Firmen wird in der Unternehmensstruktur in Amerika sehr hoch gehängt", sagt Steve Shumann, ein Wirtschaftsanwalt aus Los Angeles. "Seit dem Börsenboom werden vor allem die Manager in den Chefetagen schärfer beobachtet". Der Grund ist eindeutig: Firmen, die an der Börse notiert sind, tragen finanzielle Verantwortung für die Investoren. Das amerikanische Geschäftsgebaren fordert dementsprechend moralisch einwandfreie Entscheidungen.

Elliott Spitzer, der scharfzüngige Enron-Jäger und Generalstaatsanwalt aus New York, greift bei Verstößen radikal durch. "Wenn einer betrügt, um sich selbst zu bereichern, und wenn Aktionäre dadurch Geld verlieren, dann hat dieser Manager in seinem Job nichts mehr verloren", sagt Spitzer. "Such Dir einen anderen Job", bringt es Shuman auf den Punkt.

Der juristische Begriff heißt "Debarment" und ist längst nicht mehr nur in der Finanzwirtschaft zu finden. Polizisten, Ärzte, Chemiker, Lehrer. Sie alle sind von diesem „Ehrenkodex“ betroffen. „Viele Angestellte in den USA müssen in ihrem Anstellungsvertrag eine Klausel unterschreiben, dass sie sich moralisch aufrichtig verhalten wollen“, sagt Shuman. Verstößt ein Angestellter gegen diesen Kodex, kann das schnell das Ende einer Karriere bedeuten. „Ist die Lizenz erst einmal entzogen, dann kannst Du Dich auch gleich umschulen lassen“, sagt Shuman. Ärzte aus dem King-Hospital in Los Angeles müssen heute nach einem Skandal beispielsweise als Boten oder Fahrer arbeiten. Bekannt wurde auch der Fall von Mary Kay Letourneau, die als Lehrerin eine Liebesbeziehung zu einem Schüler einging. Nicht nur musste sie dafür sieben Jahre ins Gefängnis, auch darf sie nie wieder als Lehrerin arbeiten.

Doch Berufsverbote sind keine US-Spezialität. Auch das deutsche Strafrecht sieht die Möglichkeit vor, Straftätern für ein bis fünf Jahre die Ausübung ihres Berufs zu verbieten (Paragraph 70 Strafgesetzbuch). Zwar wird dieses Schwert von den deutschen Richtern bislang am ehesten gezogen, wenn sich zum Beispiel ein Lehrer an Schützlingen sexuell vergangen oder ein Arzt mit unsachgemäßen Schönheitsoperationen Patientinnen verschandelt hat. „Doch Berufsverbote können ebenso gut Wirtschaftskriminelle treffen“, sagt Anton Winkler, Oberstaatsanwalt in München. Winkler erwartet mehr Berufsverbote – gerade in Anbetracht der stetig steigenden Zahl der Korruptionsfälle. „Man muss künftig darüber nachdenken, ob man im Einzelfall die Anordnung eines Berufsverbots überprüft“, sagt Winkler. Vor allem auch wegen ihrer abschreckenden Wirkung auf andere.

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