Beschäftigung
Ein Härtetest für neue Beschäftigungsmodelle

Etliche Unternehmen bauen derzeit Personal ab und ernten dafür Kritik aus dem Gewerkschaftslager: Viele Manager seien "Trittbrettfahrer der Krise" und maximierten den Gewinn auf Kosten der Belegschaft, meinen die Gewerkschafter. Die Krise wird zum ersten Härtetest für neue Beschäftigungsmodelle.

BERLIN. Für die deutsche Wirtschaft kündigt sich ein heißer Frühsommer an: Immer mehr Betriebe kommen unter Druck, sich mit Notfallplänen für verschärften Personalabbau auf eine womöglich längere Krise einzustellen. Parallel wächst im Gewerkschaftslager aber der Argwohn, allzu viele Unternehmen seien als bloße „Trittbrettfahrer der Krise“ unterwegs. Gewinnoptimierung auf Kosten der Belegschaft? Dieser Verdacht nährt den Zorn.

In Baden-Württemberg plant die IG Metall für Mitte Mai bereits konkret eine „Aktionswoche“ gegen Arbeitsplatzabbau. Bundesweit werden sich in den nächsten Wochen ähnliche Aktionen häufen. „Die Arbeitnehmer werden nicht mit verschränkten Armen zusehen, wie Arbeitgeber ihre Einkommen und Arbeitsplätze attackieren“, warnt ein Sprecher der Frankfurter Gewerkschaftszentrale.

Was solchen Protesten zumindest indirekt zusätzliche Brisanz verleiht: Eine düstere politische Debatte über drohende „soziale Unruhen“ verbreitet zeitgleich fast schon einen Hauch von Endzeitstimmung. Manche Kräfte im Gewerkschaftslager und vor allem der Linkspartei sehnen die Chance zum echten Umbruch gesellschaftlicher Machtverhältnisse herbei.

Derart revolutionär will die IG Metall ihre Protestaktionen zwar nicht eingeordnet wissen: Vor allem gehe es den Arbeitnehmern darum, konkrete Sorgen deutlich zu machen, heißt es bei der Bezirksleitung in Baden-Württemberg. Mit Arbeitgebern, die „über den Tag hinaus denken“, werde man selbstverständlich auch künftig konstruktiv nach Lösungen für den Umgang mit der Krise suchen.

Trotzdem gerät darüber auch das tarifpolitische Klima an einen kritischen Punkt – die Arbeitgeber sehen sich völlig zu Unrecht an den Pranger gestellt. Tatsächlich bemühten sich die Betriebe „bis an die Grenze des betriebswirtschaftlich Vertretbaren, Beschäftigung zu halten“ , sagt Ulrich Brocker, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall – „das erleben auch die Gewerkschaftsvertreter tagtäglich.“ Daher fehle ihm jedes Verständnis für „pauschale und unbegründete Vorwürfe“, mit denen die IG Metall „offenkundig eine gefährliche öffentliche Stimmungsmache gegen die Arbeitgeber“ betreibe.

Dahinter steht, dass die aktuelle Krise ein massiver Härtetest für eine noch junge Entwicklung in der Metall-Tarifpolitik ist: Vor fünf Jahren hat sich die IG Metall nach zähem Ringen auf das „Pforzheimer Abkommen“ eingelassen, das erstmals einen Rahmen für betriebliche Abweichungen vom Flächentarif schuf. Für die Gewerkschaft war dies insofern heikel, als sie damit einen Teil der Kontrolle über die praktischen Auswirkungen ihrer Tarifpolitik an Betriebsräte und Firmenleitungen delegierte.

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