Beschwerde hätte zu lange verzögert
Mannesmann-Prozess kann beginnen

Die Staatsanwaltschaft hat auf einen Beschwerde in der Mannesmann-Affäre verzichtet. Dadurch ist der Weg frei für einen der spektakulärsten deutschen Wirtschaftsprozesse.

HB DÜSSELDORF. Gegen den Beschluss des Landgerichts Düsseldorf vom Montag, die Klagen in einigen Teilen nur eingeschränkt zuzulassen, wird die Staatsanwaltschaft keine sofortige Beschwerde einlegen, teilte die Behörde am Donnerstag mit. „Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf hat gegen den Beschluss der zuständigen Wirtschaftskammer vom 18. September 2003, soweit durch diesen die Eröffnung des Hauptverfahrens in wenigen Teilen abgelehnt worden ist, sofortige Beschwerde zum Oberlandesgericht Düsseldorf nicht eingelegt“, hieß es in einer Mitteilung der Staatsanwaltschaft. Wann die Hauptverhandlung beginnt, ist allerdings weiter offen. Bisher stehe kein Termin fest, sagte Johannes Mocken, der Sprecher des Landgerichts.

Justizkreise gehen unterdessen davon aus, dass der so genannte Mannesmann-Prozess in diesem Jahr aller Voraussicht nach nicht mehr beginnt. Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung werden sich in den kommenden Wochen erst über Zeitplan und Termine verständigen. In dem Prozess müssen sich sechs prominente Manager und Gewerkschafter, darunter der Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann und frühere IG Metall-Vorsitzende Klaus Zwickel, wegen Untreue und Beihilfe zu Untreue verantworten.

Die Staatsanwaltschaft begründete ihre Entscheidung damit, dass eine Beschwerde die Strafsache für einen nicht absehbaren Zeitraum verzögert hätte. Damit wäre die Belastung für die sechs Angeklagten wegen der längeren Verfahrensdauer nicht unerheblich verstärkt worden.

Am Montag hatten die Richter des Landgerichts die Anklage unter anderem gegen Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser, den früheren Vorsitzenden des Aufsichtsrates der Mannesmann AG, Joachim Funk, und den Stabsmitarbeiter Dietmar Droste abgemildert. Gegen die drei ehemaligen Mannesmann-Aufsichtsräte Ackermann, Zwickel und den Konzernbetriebsrat Jürgen Ladberg wurden die Anklagepunkte dagegen uneingeschränkt zugelassen.

Im Mittelpunkt der Anklage stehen Abfindungszahlungen, Prämien und Pensionen, die unrechtmäßig an Mannesmann-Vorstände, ehemalige Vorstände und deren Angehörige geflossen sein sollen. Den Aufsichtsräten wird zur Last gelegt, die Zahlungen genehmigt zu haben. Dadurch sei das Vermögen Aktionäre in Höhe von 57 Millionen Euro geschädigt worden sein, so die Staatsanwaltschaft. Die Angeklagten haben die Anschuldigungen stets zurückgewiesen.

Nach dem Inhalt des Eröffnungsbeschlusses des Gerichts bestehe hinreichender Verdacht, dass die Anerkennungsprämien und die Abfindungen der Alternativpensionsansprüche rechtswidrig gewesen seien, hieß es in der Mitteilung der Staatsanwaltschaft. Dies entspreche der Auffassung der Anklagebehörde.

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