Bestechungsvorwürfe
Der Kronzeuge entlastet Telekom-Chef Obermann

Der Schmiergeldskandal in Osteuropa ist zur ernsthaften Belastung für den Telekom-Chef René Obermann geworden. Er soll seine Untergebenen aufgefordert haben, Regierungsbeamte zu bestechen – um sich unliebsame Konkurrenten vom Leibe zu halten. Jetzt gibt es Hinweise, dass er doch nicht in die Affäre verstrickt ist.
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DÜSSELDORF. Es war ein Gespräch unter vier Augen, ein formaler Kennenlern-Termin, eine reine Routineangelegenheit für einen Topmanager: Im Jahr 2005 empfing René Obermann Dejan Mickovic, den Chef der Makedonski Telekom - einer Enkeltochter der Deutschen Telekom. Obermann war damals dort Chef der Mobilfunksparte. Der Ort des Treffens: die Zentrale von T-Mobile in Bonn.

Wie lange das Treffen gedauert hat, darüber gibt es unterschiedliche Angaben. Mal spricht die Telekom von "zehn Minuten oder so", dann wieder von einem "reinen Höflichkeitstreffen", das "höchstens eine halbe Stunde" dauerte.

Es ist genau jene halbe Stunde, die möglicherweise über die Karriere des heutigen Konzernchefs entscheidet - über die weitere Laufbahn von René Obermann.

Denn just dieses Treffen findet sich in einem Dokument, das Obermann derzeit erhebliche Probleme bereitet. Es ist der Durchsuchungsbeschluss, den ihm die Staatsanwaltschaft am 31. August präsentierte. Die Ermittler durchsuchten nicht nur seine Büros in der Konzernzentrale, sondern auch seine Privatwohnung in Bonn.

Der Vorwurf: Obermann habe seinen Gast in diesem Treffen bedrängt. Entweder Mickovic kümmere sich darum, dass die Liberalisierung des Mobilfunkmarktes in seinem Land aufgehalten und keine dritte Mobilfunk-Lizenz an einen Konkurrenten vergeben werde - oder aber die Makedonski Telekom werde keine Dividende an ihre Aktionäre auszahlen, soll der Telekom-Chef gedroht haben. Zu den Aktionären gehört auch die Regierung des Balkan-Staates.

Für das kleine Land ging es um viel Geld: 45 Millionen Euro Dividende zahlte Makedonski Telekom an den mazedonischen Staat für das Geschäftsjahr 2004. Der Betrag, der 2005 ausgezahlt wurde, entspricht rund drei Prozent des gesamten mazedonischen Haushalts im Jahr 2005.

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  • im Schmiergeldskandal entlastet der Kronzeuge den Telekomchef. Der Kronzeuge wurde also gut geschmiert vom Telekomchef. Gibt dafür wiederum einen Kronzeugen?

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