Bestsellerautor und Inhaber einer Fonds-Gesellschaft
Ein begnadeter Selbstvermarkter

Der Ökonom Richard Werner unterstellt Zentralbanken dunkle Absichten. So ist er in Japan zum Bestsellerautor geworden.

TOKIO. Es gehört eine ganze Menge Selbstbewusstsein dazu, den Zentralbanken der Welt Verschwörung und Propaganda zu unterstellen. Doch genau dieses Selbstbewusstsein, dass mancher seiner Kritiker gar als Selbstüberschätzung wertet, strahlt Richard Werner aus.

Mit 36 Jahren ist der gebürtige Bayer in Japan Bestsellerautor, managt eine eigene kleine Fonds-Gesellschaft und unterrichtet an der Sophia, einer der renommiertesten Privatuniversitäten Japans – eine eigenwillige Kombination. Doch Ungewöhnliches scheint Werner magisch anzuziehen.

In seinem Buch „Die Regenten des Yen – Wer hat Japans Wirtschaft kollabieren lassen?“ geht der Wirtschaftswissenschaftler mit der japanischen Notenbank (BOJ) ins Gericht. Seine These: Eine einflussreiche Gruppe innerhalb der BOJ hat die Rezessionen in Japan im vergangenen Jahrzehnt ebenso bewusst herbeigeführt wie die Spekulationsblase der 80er Jahre zuvor. Ihr Ziel: Die Strukturen der japanischen Wirtschaft zu verändern, hin zu einem neoliberalen Modell à la USA. Der Buchautor ist überzeugt davon, dass die Wirtschaftsflaute in Japan ebenso wenig wie in Deutschland ein Strukturproblem ist. Schuld an der Misere seien vielmehr die mächtigen Geldpolitiker – eine umstrittene Theorie.

Dennoch: In Japan stieß Werners Buch auf viele interessierte Leser. 150 000 Mal ging es dort über die Ladentheke, seit es im Jahr 2001 auf den Markt kam. Vor wenigen Wochen ist die englische Version „Princes of the Yen“ erschienen und sorgte erneut für reichlichen Diskussionsstoff.

Der lebhafte Buchautor genießt seinen Erfolg. Stolz präsentiert er in den zwei kleinen Büros seiner Investmentberatungsfirma Profit Research Center nahe der angesagten Einkaufsmeile Omotesando Werbeplakate, mit denen vor zwei Jahren Zeitschriften für ihre Ausgaben mit Artikeln über den Deutschen warben. Er zeigt auf die Plakate. „Die hingen damals überall in den Bahnen, nicht?“, lässt er seine japanische Assistentin bestätigen.

Heute hilft dem Deutschen sein Bucherfolg bei seiner Investmentberatungsfirma, die unter anderem Pensionsfonds berät, und seiner Fondsgesellschaft Profit-Fund-Com AG mit Sitz in Liechtenstein. Bei letzterer ist mit 12,5 Prozent die Firma Industrie- und Finanzkontor eingestiegen, hinter der Prinz Michael von Lichtenstein steht.

„Das wichtigste Risiko der Anleger ist das Zentralbankrisiko“. Davon ist Werner überzeugt. Auf diese These stützt sich seine Beratung – wenn auch vieles noch in den Anfängen steckt. Fünf Mitarbeiter arbeiten in Japan, drei in Europa. Das Volumen der beiden selbstverwalteten Fonds liegt noch jeweils unter zehn Millionen Dollar. Vor allem das Fondsmanagement will Werner ausbauen. Dabei ist er nicht bescheiden. „Eine Milliarde Dollar gehen auf jeden Fall“, meint er über einen globalen Makrofonds.

Werner, dessen weiche Sprechweise seine bayerische Herkunft verrät, hat kein Problem damit, Grenzen zu überqueren. Seine Ehefrau stammt aus Großbritannien, wo er auch sein wissenschaftliches Fundament festigte: an der London School of Economics und der Universität Oxford. In Asien forschte er unter anderem an der Universität von Tokio und bei der Bank von Japan, wo er sich – wie er behauptet – angeblich nur Freunde machte, als er die BOJ in einem japanischen Zeitschriftenartikel mit der Deutschen Reichsbank verglich.

In Japan gehörte Werner zu denen, die früh vor einer Rezession warnten. Ab 1994 war er vier Jahre lang Chefökonom von Jardine Fleming Securities in Tokio, arbeitete dann für die Asiatische Entwicklungsbank in Manila, bevor er sich vor fünf Jahren selbstständig machte. Doch nicht nur in Japan hat sich der Ökonom, der sich selbst bestens zu vermarkten weiß, einen Namen gemacht. Das World Economic Forum erhob ihn in diesem Jahr in die Riege der 100 bedeutensten, globalen Nachwuchsführer.

In Japan sieht der Pessimist von damals mittlerweile den Aufschwung nahen. Bisher habe die BOJ nur vorgetäuscht, die Krise mit ausreichend Liquidität zu bekämpfen. Da aber die gewünschten neuen Strukturen durch Firmenpleiten und Rationalisierungen teilweise erreicht seien, werde sie die Hebel in Japan bald wieder auf Wachstum stellen. „Innerhalb eines Jahres könnte sich da etwas ändern.“

Die Kritik des Wirtschaftswissenschaftlers zielt allerdings nicht nur auf die BOJ. „Die EZB ist noch viel schlimmer“, sagt er vehement. „Sie hat ihre Unabhängigkeit missbraucht, um in Deutschland eine massive Wirtschaftsflaute zu erzeugen.“ Auch hier sei das Ziel eine neoliberale Strukturveränderung.

Eine schwedische Version seines Buches liefert gerade Euro-Kritikern Zündstoff. Obwohl Werners Thesen stimmig und tief recherchiert sind und sein Buch einen spannenden Blick hinter die Kulissen der BOJ eröffnet, grenzen manche seiner Behauptungen an eine Verschwörungstheorie. Viele parallele Erklärungsversuche klammert der Autor einfach aus. Kein Wunder, dass seine Theorien namhafte Anhänger finden – aber auch ebenso viele namhafte Kritiker.

Der Deutsche nutzt die Erfolgswelle derweil und füllt fleißig die Bücherregale in Japan. Drei Bücher sind in diesem Frühjahr schon erschienen. Zwei weitere sollen folgen. Dann will Werner nach Europa zurück. Auch dort will Werner Fondsgeschäft und Wissenschaft weiter kombinieren. Aber sein Forschungsschwerpunkt steht jetzt schon fest: „Ich würde gerne weiter gegen die Propaganda der Zentralbanken arbeiten.“

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland
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