Beteiligungsmodell
Tchibo-Familie Herz organisiert ihre Unternehmen neu

Die Hamburger Unternehmerfamilie Herz ordnet ihre Unternehmen neu. Nach dem Unfalltod von Joachim Herz im vergangenen Jahr verändern die Familien der Brüder Wolfgang und Michael Herz ihr Beteiligungsmodell.

HB HAMBURG. Die Familien der Brüder Wolfgang und Michael Herz bringen zum 1. April ihre Firmen Libri, Blume 2000 und Books on Demand in die Familien-Holding Maxingvest ein, teilte die Holding am Mittwoch in Hamburg mit. Michael Herz sei gemeinsam mit dem familienfremden Manager Thomas Holzgreve zum Vorstand der Gesellschaft bestellt worden. An der Familienholding halten Wolfgang und Michael Herz jeweils 35 Prozent, ihre Mutter Ingeburg und deren Max und Ingeburg 12,5 Prozent sowie die Joachim-Herz- Stiftung 17,5 Prozent der Anteile.

Zu Maxingvest gehören weiterhin 100 Prozent an dem Kaffee- und Handelsunternehmen Tchibo und 56 Prozent des Nivea-Herstellers Beiersdorf. Mit der Neuordnung der Holding wolle die Familie die Kontinuität des Unternehmens sichern und die Weichen für den Übergang auf die dritte Herz-Generation stellen, heißt es in der Mitteilung. Wolfgang und Michael Herz haben insgesamt fünf Kinder, die jedoch teilweise noch relativ jung sind. Ob und wann eines der Kinder in dem Unternehmen Verantwortung übernehmen könnte und wolle, ist nicht absehbar. Michael Herz ist 65 Jahre alt, sein Bruder Wolfgang sieben Jahre jünger.

Mit der Neuordnung gehen jahrzehntelange Auseinandersetzungen innerhalb der Familie zu Ende, die ihren Ausgang bereits mit dem Tod von Tchibo-Gründer Max Herz im Jahr 1965 nahmen. Danach führte der älteste Sohn Günter Herz erfolgreich das Unternehmen, ehe seine Geschwister 2001 den Vertrag nicht mehr verlängerten. 2003 wurden Günter Herz und seine Schwester Daniela mit einem Milliardenbetrag aus dem Unternehmen herausgekauft und sind seitdem wirtschaftlich nicht mehr mit der Familie verbunden. Der familieninterne Zwist setzte sich jedoch zwischen Joachim einerseits und Wolfgang und Michael andererseits fort, bis Joachim im Mai 2008 Opfer eines Badeunfalls in den USA wurde. Seine Anteile gingen an eine gemeinnützige Stiftung über.

Unter dem Dach der Holding Maxingvest sollen die fünf Unternehmen wie bisher selbstständig arbeiten, hieß es weiter. Weitere Beteiligungen der Familien Herz wie zum Beispiel an dem Modekonzern Escada seien von der Neuordnung nicht berührt. Der neue Konzern weise eine Eigenkapitalquote von mehr als 60 Prozent und eine Nettoliquidität von mehr als einer Milliarde Euro auf. Alle Unternehmen zusammen beschäftigen weltweit mehr als 31 000 Menschen, davon fast die Hälfte in Deutschland. Die Mitglieder der Familie Herz zählen zu den reichsten Deutschen.

Geschäftlich weist der im Aktienindex Dax notierte Beiersdorf - Konzern eine langfristig erfolgreiche Entwicklung auf, vor allem dank der Kernmarke Nivea. Tchibo geriet dagegen auf dem deutschen Markt zuletzt aufgrund struktureller Schwächen und zunehmender Konkurrenz durch Discounter unter Druck. Der Konzern steckt gegenwärtig in einer Umstrukturierung, die erste Erfolge zeigen soll. Libri ist Deutschlands führender Großhändler für Bücher. Blume 2000 betreibt rund 200 Filialen in Deutschland und ist damit der größte Blumen- und Pflanzenhändler. Books on Demand stellt Bücher in Kleinstauflagen her.

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