Betriebe
Immer schön flüssig bleiben

Gerade in der Rezession gilt: Nur wer flüssig bleibt, überlebt. Das Thema Liquidität steht in normalen Zeiten für viele Betriebe auf der Prioritätenliste weit hinten. Doch inmitten der Krise arbeiten neun von zehn Firmen mit Hochdruck daran, ihre Eigenfinanzierung betriebsintern zu verbessern. Das ist ein Ergebnis des Business-Monitors vom Handelsblatt und der Unternehmensberatung Droege & Comp.

DÜSSELDORF. „Cash is king“ – davon ist Gustel Baumert, Geschäftsführer des Maschinenbauers Körber Schleifring überzeugt. Allein im Einkauf liegt viel totes Kapital, das sich schnell wiederbeleben lässt. „Wir haben alle Lieferverträge durchforstet und mit den wichtigsten Zulieferern längere Zahlungsziele oder Skonto ausgehandelt. Das hat unsere Liquidität deutlich verbessert und bringt schnelle Erfolge“, erzählt Baumert. Nicht erst seit der Krise bemüht sich der Werkzeugmaschinenbauer mit 2 300 Mitarbeitern und knapp 500 Mio. Euro Jahresumsatz, das im Betrieb gebundene Kapital möglichst gering zu halten.

Für den Business-Monitor vom Handelsblatt und der Unternehmensberatung Droege & Comp. gaben 787 Topentscheider deutscher Unternehmen Auskunft über ihr Liquiditätsmanagement.

24 Prozent der Manager sagen: Die Liquidität meines Unternehmens hat sich seit Beginn der Krise verschlechtert. Betroffen sind vor allem von der Exportflaute gebeutelte Firmen aus der Metall- und Elektroindustrie beziehungsweise des Maschinen-, Fahrzeug- und Anlagenbaus. Hier klagen 40 Prozent über eine verschlechterte Liquidität, am seltensten demgegenüber die Dienstleistungsbranche mit 15 Prozent.

Immerhin 62 Prozent der Manager sagen, die Liquidität ihres Betriebs sei gleich gut geblieben, drei Prozent sagen gleich schlecht. Überraschend: Elf Prozent der befragten Betriebe sind derzeit sogar liquider als vor der Krise. „Zwar haben längst nicht alle Unternehmen Liquiditätsprobleme, aber diejenigen, die sie haben, trifft es besonders hart. Viele müssen ums Überleben kämpfen“, sagt Guido Klenter, Geschäftsführer von Droege & Comp.

Entsprechend haben sich auch die Finanzierungskosten für jedes vierte Unternehmen erhöht – bei 16 Prozent sind sie leicht gestiegen, bei neun Prozent sogar deutlich. Je größer ein Betrieb, umso eher ist er von höheren Finanzierungskosten betroffen. Von Unternehmen mit 5 000 und mehr Mitarbeitern klagen 24 Prozent über leicht gestiegene und weitere 18 Prozent über deutlich gestiegene Kosten. Die Kapitalgeber verlangen mehr Sicherheiten und höhere Risikoaufschläge, bevor sie einen Kredit bewilligen. „Die Kreditklemme ist schon Realität. Kredite von mehr als zehn Millionen Euro sind nur noch schwer zu erhalten“, sagte kürzlich der scheidende Vorstandschef der Hannover Finanz, Albrecht Hertz-Eichenrode. Dies treffe vor allem Automobilzulieferer und die Investitionsgüterbranche.

Für die große Mehrheit der befragten Firmen hat sich die Rezession bislang nicht auf die Kosten der Finanzierung niedergeschlagen. Bei 56 Prozent sind sie unverändert. 18 Prozent der Manager berichten sogar: Unsere Finanzierungskosten sind gesunken. Klenter: „Sie profitieren offensichtlich von den Leitzinssenkungen und haben eine insgesamt solide Bonität.“

Eine gesunde Eigenfinanzierung wird deshalb im Angesicht der Krise für Firmen immer wichtiger. „In guten Zeiten machen sich die wenigsten Manager Gedanken über das Working Capital“, weiß Klenter. Jetzt werden fast alle aktiv, zeigt die Studie.

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