Betriebsergebnis im Plus
Müller kontrolliert die Bahn

Der frühere Bundeswirtschaftsminister Werner Müller kontrolliert ab sofort die Deutsche Bahn. Der 59-jährige Chef des Essener Energiekonzerns RAG wurde am Dienstag in Berlin einstimmig zum Aufsichtsratsvorsitzenden des Staatsunternehmens gewählt. Damit tritt er die Nachfolge des nicht wieder angetretenen Tui-Chefs Michael Frenzel an.

HB BERLIN. Die Bahn-Gewerkschaften Transnet und GDBA sowie die SPD begrüßten die Wahl des parteilosen Managers, der bis 2002 dem Bundeskabinett angehörte. Von der Opposition kam dagegen Kritik. Im operativen Geschäft legte die Bahn seit Jahresbeginn zu.

Müller gehört dem Aufsichtsrat schon seit Ende 2004 als einfaches Mitglied an. Im Umfeld des Gremiums war die Hoffnung geäußert worden, als neuer Vorsitzender könne er auch für eine mögliche CDU-geführte Regierung akzeptabel sein. Der bisherige Chef-Kontrolleur Frenzel gilt als Vertrauter des Kanzlers. Er hatte seinen Verzicht auf das Bahn-Amt erklärt, nachdem es wegen des Verkauf der Tui-Kesselwagentochter VTG nach Frankreich zu Krach gekommen war. Die Bahn war auch interessiert, ging aber leer aus.

Der Chef der Gewerkschaft Transnet, Norbert Hansen, nannte die Wahl Müllers „eine solide Entscheidung“. Der verkehrspolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Dirk Fischer, kritisierte dagegen, dass die Frage nicht bis nach einer Wahl im September offen gelassen wurde. Müller sei „in besonderer Weise“ ein Wunsch des Kanzlers und von Bahnchef Hartmut Mehdorn gewesen. SPD-Verkehrsexperte Uwe Beckmeyer verteidigte die Wahl Müllers. Die Bahn brauche „an der Spitze ihres Aufsichtsrats - unabhängig von der politischen Gefechtslage - eine Person, die ökonomisch tickt und auf gleicher Augenhöhe mit Mehdorn steht“, sagte er dem „Tagesspiegel“ (Mittwoch).

Im operativen Geschäft hat die Bahn unterdessen seit Jahresbeginn Zuwächse verzeichnet. Bis Ende Mai habe das Betriebsergebnis bereits die Gewinnzone erreicht, nachdem im Vorjahreszeitraum noch Verlust angefallen war. Der Umsatz liege ebenfalls deutlich höher und habe die Zehn-Milliarden-Euro-Marke überschritten. Genauere Angaben wurden nicht gemacht. Mehdorn sagte, schwarze Zahlen in den traditionell schwächeren ersten Monaten des Jahres belegten „die Stabilität unserer wirtschaftlichen Entwicklung“. Für 2004 hatte die Bahn bei 24 Mrd. € Umsatz einen operativen Gewinn von 253 Mill. € ausgewiesen.

Mehdorn verwies allerdings auf kräftig steigende Kosten unter anderem für Energie, denen die Bahn gegensteuern müssen. Einen Beschluss für höhere Fahrpreise gebe es aber nicht, sagte ein Sprecher. In den nächsten Wochen will die Bahn zudem mit einem Partner ein gemeinsames Unternehmen zum Betrieb von Parkmöglichkeiten an 460 Bahnhöfen gründen.

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