Betriebsrat
SAP: Harmonie statt Klassenkampf

Der erste Betriebsrat in der mehr als 30-jährigen Geschichte des Softwarekonzerns SAP wird von einer gleichberechtigten Doppelspitze geleitet werden. Neben der langjährigen Arbeitnehmervertreterin Helga Classen wird Klaus Gassmann als Co-Chef die Interessen der 13 000 Mitarbeiter vertreten. Klassenkämpferische Töne werden aus dem SAP-Betriebsrat wohl kaum zu hören sein.

WALLDORF. Rein juristisch ist Gassmann stellvertretender Betriebsratsvorsitzender, während Classen am Montag, wie erwartet, zur Vorsitzenden des ersten SAP-Betriebsrats gewählt wurde.

„Auf Harmonie und Ausgleich bedacht“, sei Helga Classen, sagt ein ehemaliger Kollege über sie. Keine Frau der lauten Töne und polternden Konflikte. Für eine Betriebsratschefin eigentlich nicht gerade ein Kompliment. Anders beim Softwarekonzern SAP. Denn genau diese Eigenschaften sind es wohl, die Helga Classen in diese Position gebracht haben, in der sie eine tief gespaltene Belegschaft zu vertreten hat.

Eigentlich wollte die überwältigende Mehrheit von 91 Prozent überhaupt keinen Betriebsrat. Und ein Großteil ist der Meinung, jeder könne seine Interessen am besten selbst vertreten. Eine kleine Gruppe hat sich dagegen – aus Sorge über den Wandel des Konzerns – für einen Betriebsrat stark gemacht und sich am Ende durchgesetzt.

Bei der Wahl vor knapp zwei Wochen landete die Kandidatenliste mit Betriebsratsbefürwortern aber nur auf dem dritten Rang. Insgesamt haben sich mehr als 400 Mitarbeiter für 37 Betriebsratsplätze aufstellen lassen. Die meisten Stimmen erhielt die Liste „Wir für Dich“, in der Helga Classen kandidierte. Da dies für die absolute Mehrheit aber nicht ausreichte, gibt es eine Koalition mit der zweitstärksten Liste „MUT“, auf der Gassmann kandidierte.

Gassmann bezeichnet sich selbst als „begeisterten Entwickler mit einer ausgeprägten Neigung für Personalthemen“. Doch gleichzeitig ist er ein altgedienter Mitarbeiter des Softwarekonzerns. Schon 1977 holte ihn der Mitgründer Dietmar Hopp zu SAP. Gassmann übernahm die Verantwortung für ein großes Kundenprojekt. Dann war er für die Entwicklung von Teilen der Software R/2 verantwortlich. Zuletzt gehörte er als Vice President zum mittleren Management. Nun wird er für die Betriebsratsarbeit ebenso wie Classen und zehn weitere Betriebsräte freigestellt.

Helga Classen kommt aus Hamburg, arbeitete dort als Englisch- und Erdkundelehrerin und wirkte in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Seit 1989 arbeitet sie bei SAP zunächst in der Kundenbetreuung für die Software R/3, dann im Produktmanagement der Technologieplattform Netweaver. Seit 2004 ist sie Datenschutzbeauftragte des Konzerns. Classen gilt als Garant dafür, dass das bislang kooperative Verhältnis zwischen Management und Arbeitnehmern bestehen bleibt.

„Helga Classen hat ihre Arbeit als Arbeitnehmervertreterin im Aufsichtsrat sehr gut gemacht, leise, aber durchaus effizient“, erzählen SAP-Mitarbeiter, die für Classens Liste stimmten. Understatement – das ist für die ehemalige Lehrerin offenbar Markenzeichen und Masche zugleich. „In den Anfangsjahren bei SAP kam sie auch mal etwas spontaner daher und ergriff in Versammlungen auch mal das Wort“, erzählt ein Konzernmanager, „dabei machte sie aber keine gute Figur, sie kam zu oberlehrerhaft daher.“ Seitdem sei sie zurückhaltender geworden.

Menschen, denen sie in ihrer Funktion als Arbeitnehmervertreterin im Aufsichtsrat mal geholfen hat, lassen wenig auf sie kommen. „Sie wirkt vielleicht schrullig, aber sie kann gut zuhören und sich erfolgreich für einen einsetzen“, erzählt eine Entwicklerin. Es sei vor allem ein Thema, bei dem Classen sehr vehement zur Sache gehe: „Wenn es ums Mobbing geht, dann wird sie für ihre Verhältnisse ungewöhnlich resolut“, erzählt ein Aufsichtsratskollege Classens.

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