Betriebsratschef Olaf Behm
Die letzte Konstante

Das Personalkarussel der HSH Nordbank hat sich kräftig gedreht. Konzernbetriebsratschef Olaf Behm aber ist wichtiger denn je: Seit Monaten ist er im Ausnahmezustand. Die Arbeit für den 38-jährigen will einfach nicht weniger werden; mehr als 1 000 Mitarbeiter werden die angeschlagene verlassen müssen. Und dennoch: Man sieht Behm die Strapazen nicht an.

BERLIN. Ruhig und konzentriert wirkt Olaf Behm im Gespräch. Die Antworten kommen wohl überlegt. Arbeit genug hat Behm jedenfalls: Bei der angeschlagenen Landesbank ist seit Herbst 2008 nichts mehr wie es war. Die Finanzkrise hat das Institut voll erwischt; für 2008 musste ein Verlust von 2,7 Mrd. Euro verbucht werden. Auch 2009 und 2010 wird die Bank nicht aus den roten Zahlen herauskommen.

Die Mehrheitseigner, das sind die Länder Schleswig-Holstein und Hamburg, hatten sich nach endlosen Debatten dazu durchgerungen, die HSH Nordbank mit Milliarden Euro zu stützen. Im Gegenzug werden nun die Geschäfte der Bank eingedampft und Arbeitsplätze abgebaut.

Behm mischt mit. Mit seinem dunkelblauen Anzug, der dezenten Krawatte und dem blütenweißen Hemd könnte er jederzeit Kunden des weltgrößten Schiffsfinanzierers empfangen. Goldfarbene Manschettenknöpfe und ein Chronograph am Handgelenk vervollständigen das Bild eines Bankers, der seit 1997 keine Kunden berät, sondern die Interessen der Arbeitnehmer vertritt. Die Ruhe, die Behm ausstrahlt, ist in diesen unruhigen Zeiten äußerst wertvoll - gerade bei dem Durcheinander in der Führungsetage.

Erst im vergangenen November hat Dirk Jens Nonnenmacher den glücklosen Hans Berger als Vorstandsvorsitzenden der HSH Nordbank abgelöst; der Aufsichtsrat wurde im Zuge der Kapitalerhöhung fast vollständig neu besetzt. In diesen turbulenten Zeiten sei der Betriebsrat die einzige Konstante, sagt Behm. Die Unruhe unter den Mitarbeitern sei "natürlich riesengroß". "Wir haben einen Personalabbau zu stemmen, der enorm ist", sagt der Betriebsratschef, der auch stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates ist. Von den 4 300 Arbeitsplätzen werden 1 100 abgebaut, 500 Mitarbeiter werden in die sogenannte Abbaubank wechseln, "wobei völlig offen ist, was das für Arbeitsplätze sein werden", sagt Behm. In die Abbaubank sollen die toxischen Wertpapiere ausgelagert werden und Geschäfte, die nicht mehr als strategisch notwendig angesehen werden. In der sogenannten Kernbank werden dann 2 700 Mitarbeiter übrig bleiben. Optimistisch stimmt Behm aber, dass der Personalabbau auf freiwilliger Basis schneller vonstatten geht als geplant. Ende Juni haben bereits 250 Mitarbeiter das Haus verlassen. "Dabei sind natürlich Leute, die wir gern gehalten hätten - daher brennt es auch an einigen Ecken", räumt Behm ein. Die Vereinbarung mit der Bank sieht vor, dass zunächst bis Juni 2010 auf betriebsbedingte Kündigungen verzichtet wird.

Mittlerweile kümmern sich parlamentarische Untersuchungsausschüsse um die Aufarbeitung der Frage, wie es zu so einer dramatischen Entwicklung bei der Bank kommen konnte. Auch die Staatsanwaltschaft hat auf Grund einer Anzeige Ermittlungen aufgenommen. Schon jetzt ist klar, dass das Risikomanagement der Bank nicht in der Lage war, das zeitweise auf 30 Mrd. Euro angeschwollene Kreditersatzgeschäft angemessen zu steuern.

Als ob diese Probleme nicht ausreichen würden, haben Bank und Mehrheitseigner die Öffentlichkeit noch mit Sonderzahlungen in Höhe von 2,9 Mio. Euro für den Vorstandsvorsitzenden Nonnenmacher verärgert. "Die Nachricht über die Sonderzahlung für den Vorstandsvorsitzenden hat in der Belegschaft zu einer großen Enttäuschung geführt", sagt Behm. Es sei für viele Kollegen, die auf ihren Bonus verzichten müssen und enorme Mehrbelastungen zu verkraften haben, nicht nachvollziehbar, dass sie anders behandelt werden als Herr Nonnenmacher. "Es wäre hilfreich, wenn er sich gegenüber den Kollegen mal erklären würde", sagt Behm.

Trotz der Kritik steht Nonnenmacher nach Behms Einschätzung nicht zur Disposition. Entsprechende Spekulationen seien "Sommerlochgerede". Für einen großen Gewinn hält Behm die Wahl von Hilmar Kopper als Aufsichtsratsvorsitzenden. der ehemalige Chef der Deutschen Bank sei gut vernetzt. Mit ihm könne die Neuausrichtung der Bank nachhaltig gelingen. Die ersten Gespräche mit Kopper seien "sehr offen" verlaufen. Zufrieden nimmt Behm zur Kenntnis, dass eine langjährige Forderung der Arbeitnehmervertreter umgesetzt wurde: Im neuen Aufsichtsrat sind keine Politiker mehr vertreten.

Kurzvita

1971: Olaf Behm wird am 28. März in der Hansestadt Stralsund geboren.

1997: Nach seiner Bankausbildung bei der damaligen Landesbank Hamburg wird er in das Förderprogramm für Führungsnachwuchskräfte aufgenommen und schließt die Bankakademie mit dem Bankfachwirt ab.

2000: Vorsitzender des Personalrats.

2003: Nach der Fusion der Hamburger und Kieler Landesbank zur HSH Nordbank wird er Konzern- und Gesamtbetriebsratsvorsitzender. In Personalunion übernimmt Behm des Posten des stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden.

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