Betriebsrente
RBS: Frührentner am Pranger

Fred Goodwin ist ein echter Schotte, zäh, stur und sparsam. Und so achtet der ehemalige Chef der Royal Bank of Scotland (RBS) darauf, seine Pfunde beisammen zu halten, auch wenn er sich damit den Volkszorn der Briten zuzieht. Die wollen ihre Banker leiden sehen – und gehen gegen den gierigen Ex-RBS-Chef auf die Barrikaden..

LONDON. Es geht um die Rente von Sir Fred, der ist zwar erst 50 Jahre alt, aber seine Karriere fand im Oktober ein recht abruptes Ende und damit tritt eine Klausel in seinem Arbeitsvertrag in Kraft, die ihm bis an sein Lebensende eine Pension von knapp 700 000 Pfund im Jahr sichert. Und just an dem Tag, an dem Tag, an dem sein Ex-Arbeitgeber einen Verlust von 24 Mrd. Pfund melden musste, so viel Geld wie noch nie ein britisches Unternehmen verloren hat, sickerte Goodwins Altersversorgung durch.

Seither beschäftigt seine Betriebsrente die Nachrichtenmoderatoren der BBC genauso wie die Reporter der Boulevard-Zeitung Sun. Der Schotte ist zum Sinnbild des gierigen Bankers geworden. Und die Briten wollen Banker leiden sehen. Die arroganten Stars der City haben das Land in die schwerste Rezession seit Ende des zweiten Weltkriegs gestürzt, dafür sollen sie büßen. Geht es nach Vince Cable, dem finanzpolitischen Sprecher der Liberalen Partei, würden Londons Banker „in Säcke voller Schlangen“ gesteckt und in der Themse versenkt.

Goodwin galt noch vor einem Jahr als Superstar der Branche. Unter seiner Ägide wuchs die RBS von einer schottischen Provinzbank durch aggressive Übernahmen zu einem der größten europäischen Geldhäuser. Doch mit seinem letzten Deal verhob er sich. Kurz vor Ausbruch der Finanzkrise schluckte Konsortium unter Führung der RBS die niederländische Großbank ABN Amro für den Rekordpreis von 72 Mrd.Euro. Als sich danach die Verluste in der Bilanz türmten, musste der Staat die RBS mit 20 Mrd. Pfund retten und Goodwin seinen Hut nehmen.

Er glaubt, dass die Labour-Regierung die Details zu seinem Ruhestandspaket bewusst gestreut hat, um von den Rekordverlusten staatlich kontrollierten RBS abzulenken. Inzwischen steht die Regierung unter Labour-Premier Gordon Brown selbst am Pranger: Staatssekretär Paul Myners muss sich gegen Rücktrittsforderungen wehren, weil er einräumen musste, dass er bereits im Oktober von der Pensionsregelung wusste, und sie hätte stoppen können. Inzwischen prüfen Anwälte, ob man die Betriebsrente nicht mindestens um die Hälfte kürzen kann, und Myners forderte Goodwin in einem Brief auf, freiwillig zu verzichten. Doch der Schotte lässt den Politiker abblitzen, schließlich habe er schon auf 1,3 Mrd. Pfund Abfindung und 325 000 Pfund Aktienoptionen verzichtet. „Pensionsansprüche die über viele Jahre angesammelt wurden aufzugeben, wäre nicht angebracht“, heißt es in einem Brief von Goodwin an Myners. – Eine schottische Antwort

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