Betriebsseelsorger sind für Manager und für alle anderen da, die Probleme im Job haben – aber niemanden zum Mitteilen
Beten für die Firma

Es kam zu viel zusammen. Erst die Umstrukturierung, die ihn in eine andere Abteilung zwang, und dann die traurige Tatsache, dass seine Mutter im Sterben lag. Zwölf Stunden in der Firma – in der Einarbeitungsphase kürzer zu treten war unmöglich – und dann noch eine Stunde Autofahrt zu der todkranken Mutter.

Doch was die ganze Belastung am unerträglichsten machte, war dies: Eine Führungskraft hat keine Probleme zu haben. Wenn doch, ist es fatal, am Arbeitsplatz darüber zu reden. Freunde haben in solch angespannten Situationen auch nicht unbedingt Verständnis, die Ehefrauen finden ihren Mann in so einem Moment oft einfach nur total schwierig.

Die Folgen waren unausweichlich: Der Ingenieur, der sonst so unfehlbar war, begann plötzlich, Dinge zu vergessen. Er wurde seinem Job nicht mehr gerecht. Die Situation drohte zu eskalieren.

Trost fand er bei Jörg Maier, der ihm einfach zuhörte. Er ist einer von drei Betriebsseelsorgern in der Erzdiözese München, die Oberbayern betreuen. „Es ist für Leute in solchen Situationen besonders wichtig, mit Fachleuten zu reden, die nichts mit der Firma zu tun haben. So können sie Schwierigkeiten zugeben, ohne ihr Gesicht zu verlieren“, fasst der Theologe und ausgebildete Gesprächstherapeut seine vielfältigen Erfahrungen gerade im Groß- und Einzelhandel zusammen. Dabei setzt der agile Mann der Kirche weniger auf Psychologie denn auf Strategie. „Mir geht es darum: Wohin will der Klient, und was sind die möglichen Konsequenzen“, sagt Maier.

Erste Anfänge der Betriebsseelsorge gehen in die 50-er Jahre des vorigen Jahrhunderts zurück. Heute sind in Deutschland etwa 50 Fachleute in 16 Diözesen tätig. Darunter finden sich Geistliche, Pastoralreferenten, aber auch so genannte Betriebsseelsorge-Sekretäre. Das sind Leute, die direkt aus der Arbeitswelt kommen und entsprechend qualifiziert sind.

Einer, der als besonderer Kenner der Materie gilt, ist Paul Schobel. Der Pfarrer engagiert sich seit 30 Jahren in diesem Bereich der katholischen Arbeitnehmerbewegung und leitet seit langem das zehn Personen starke Team der Diözese Rottenburg-Stuttgart. „Heute hat jeder Angst um seinen Arbeitsplatz. Das führt zu einer großen Unsicherheit und oft zu Mobbing.“

Er befürchtet zudem, dass Arbeitsverhältnisse, wie sie derzeit Gang und Gäbe sind – befristete Verträge, Leiharbeit, Zeitarbeit oder Freelancertum – sowie immer geringeres Entgelt zu mehr Konflikten führen. Der Bedarf nach Beistand ist also heute größer denn je. Konfessionen spielen keine Rolle.

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