Betrug
Ex-Nici-Chef muss lange hinter Gitter

Die Insolvenz des Plüschtierherstellers Nici hatte im WM-Jahr für große Aufregung gesorgt, stellte das Unternehmen doch das – erfolglose – Masskottchen "Goleo" her. Nun muss der ehemalige Chef für sechseinhalb Jahre ins Gefängnis. Mit Schummeleien wollte er seine Firma retten.

HB HOF. Das Hofer Landgericht verurteilte Ottmar Pfaff am Mittwoch wegen Betrugs in zehn Fällen. Die Kammer sah es als erwiesen an, dass der 58-Jährige die Bilanzen der Jahre 2003 bis 2006 gefälscht und Luftbuchungen über 38,5 Mill. Euro vorgenommen habe.

Das Gericht blieb mit dem Strafmaß unter den Forderungen der Staatsanwaltschaft, die siebeneinhalb Jahre verlangt hatte. Die Verteidigung hatte auf eine Haftstrafe von fünf Jahren und drei Monaten plädiert. Zum Prozessauftakt am Dienstag hatte der Angeklagte ein umfassendes Geständnis abgelegt.

Pfaff versicherte, er habe das in finanzielle Schieflage geratene Familienunternehmen retten wollen. "Ich habe keinen Pfennig aus der Nici AG entnommen", betonte er. 2001 habe er von einem Investor ein Aktienpaket zurückgekauft und 4,5 Mill. Euro benötigt. Im Jahr danach habe Nici allerdings keinen Gewinn mehr gemacht. Die aufgelaufenen Schulden konnte das Unternehmen nicht mehr aus eigener Kraft begleichen, wie Pfaff weiter sagte.

Deshalb habe er mit Hilfe gefälschter Unterlagen Warenlieferungen erfunden und die Forderungen an Factoring-Firmen und Banken verkauft. "Es war nur für die Finanzbeschaffung und zur Umsatzregeneration bestimmt", beteuerte der Angeklagte. Die Finanzkrise sei so eine Zeit lang verborgen geblieben. "Ich hätte mich von Mitarbeitern trennen müssen. Ich konnte diese Konsequenz nicht durchführen." Die Erwartungen an das WM-Maskottchen "Goleo" seien viel zu hoch gewesen, sagte Pfaff. "Wir hatten hohe Warenbestände." Der Angeklagte sagte zudem, noch vor der Wirtschaftsprüfung für 2005 habe er dem restlichen Vorstand seine betrügerischen Machenschaften gebeichtet.

Vor Gericht entschuldigte sich der Ex-Vorstandschef bei seinen früheren Mitarbeitern, "vor allem bei denen, die ihre Arbeit und Nici-Anteile verloren haben". Das einst als Bauchladen gegründete Unternehmen aus Altenkunstadt in Franken musste wenige Wochen vor der Fußball-Weltmeisterschaft Insolvenz anmelden. Pfaff sitzt seither in Untersuchungshaft. Nach dem Einstieg des US-Finanzinvestors Strategic Value Partners (SVP) wurden 100 der ursprünglich 600 Stellen abgebaut.

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