Betrug muss nachgewiesen werden
Justiz tut sich bei Anlagebetrug schwer

In dieser Woche hat die Polizei einen Ring mit über 50 Personen hochgenommen, der zahlreiche Banken und Geldtransporter überfallen hat. Die Behörden sprachen von der größten Überfallserie in der Nachkriegsgeschichte.

Wer je bei einem Banküberfall auf der anderen Seite des Schalters gestanden hat, weiß, wie unangenehm sich das anfühlt. Dass die Kunden anschließend Kuchen als Trost in die Filiale bringen und sich nebenbei erkundigen, ob "ihr Geld" noch da ist, tröstet immerhin ein wenig.

Wer die entsprechenden Statistiken liest, weiß aber auch, dass Bankräuber vergleichsweise geringe Chancen haben, der Polizei zu entgehen. Banken zu überfallen ist daher keine intelligente Idee.

Anders sieht es mit Kapitalanlagebetrug aus. Seit Jahren schon ist Deutschland ein Mekka für diese "Branche". Einen Höhepunkt erlebte sie kurz nach der Wiedervereinigung. Damals meldeten sich nach einem Artikel über dieses Thema Leute aus Ostdeutschland, die selbst dubiose Produkte und an ihre Bekannten und Verwandten verkauft hatten, ohne zu durchschauen, was sie anboten.

Die klaren Betrugsfälle, bei denen die Verbrecher einfach unter falschen Versprechungen Geld einsammeln und damit durchbrennen, sind wenigstens juristisch noch klar zu fassen - wenn das auch oft nichts mehr nützt. Noch komplizierter wird es, wenn die Betrugsabsicht gar nicht klar ersichtlich ist. Was geschieht, wenn ein Unternehmen mit einem undurchsichtigen Geschäftsmodell Kunden lockt? Es klingt wie Betrug, es sieht aus wie Betrug - alles deutet darauf hin. Aber so lange sich nicht nachweisen lässt, dass es tatsächlich Betrug ist, darf man es nicht so nennen.

Wer es trotzdem tut oder zu deutliche Warnungen ausspricht, bekommt sofort die Rechtsanwälte des Unternehmens auf den Hals gehetzt. Die wirklichen Profis haben auch noch Sachverständige an der Hand, die - in der Regel korrekte - Details der Bilanzierung bewerten und damit den Eindruck erwecken, das gesamte Konzept sei in Ordnung. Und die Gerichte tun sich schwer, Anlagefirmen zu beurteilen, weil sich die Betrugsabsicht oft nicht aus einzelnen Details, sondern nur aus der gesamten Struktur des Geschäfts ergibt. Die Folge: Solche Unternehmen können jahrelang weiterarbeiten.

Fazit: Auf Überfälle ist die Justiz besser eingerichtet als auf Betrug.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%