Betrugsfall Madoff
„Ohne die Krise wäre das System unentdeckt“

Mit nur 20 Minuten Zeitunglesen hätte die US-Finanzmarktaufsicht SEC den Milliardenbetrugsfall Madoff nach Einschätzung des Finanzmarktdetektivs Harry Markopolos erkennen können.

NEW YORK. "Allein die Statistiken über die Indexoptionen in den Zeitungen zu lesen, hätte genügt, um festzustellen, dass seine angeblich so geniale Handelsstrategie nicht aufgeht", sagte der Madoff-Jäger, dessen Hinweise von der SEC acht Jahre lang ignoriert worden waren, gestern bei einer Parlamentsanhörung. Das Studium der Statistiken hätte gezeigt, dass Madoff zur Realisierung seiner Strategie für sich alleine mehr Derivate benötigt hätte, als alle anderen Marktteilnehmer zusammen eingegangen waren, sagte Markopolos bei seinem ersten öffentlichen Auftritt seit Bekanntwerden des Skandals im Dezember 2008.

Markopolos hatte die SEC erstmals im Mai 2000 mit Hinweisen versorgt, dass der Vermögensverwalter Bernard Madoff das Geld seiner Kunden nicht wie behauptet anlegte, sondern ein gigantisches Schneeballsystem betrieb. Tatsächlich schenkte ihm niemand Gehör. Erst als die aktuellen Marktturbulenzen Madoff Verluste von 50 Mrd. Dollar bescherten, stellte dieser sich selbst den Behörden. "Ohne die Krise wäre Madoff heute weiter unentdeckt und der Schaden betrüge vermutlich schon 100 Mrd. Dollar", sagte Markopolus gestern.

Markopolos beschrieb im zackig-präzisen Ton eines ehemaligen Leiters von Sondereinsatzkommandos der US Army seine Erfahrungen mit der SEC. "Weil das für mich zuständige SEC-Büro in Boston mit dem für Madoff Verantwortlichen in New York nicht konnte, blieben die Informationen hängen", sagte der 52-Jährige. Eine Vereinheitlichung der US-Aufsicht sei dringend nötig.

950 Millionen Dollar sichergestellt

Der Fund Im größten Betrugsfall der Geschichte der Wall Street sind bislang knapp 950 Mio. Dollar sichergestellt worden, knapp zwei Prozent des geschätzten Gesamtschadens. Das Geld und alle Mittel, die künftig noch beschlagnahmt werden könnten, würden in einen Fonds fließen, sagte der Treuhänder für Madoffs Firma, Irving Picard, gestern vor einem New Yorker Konkursgericht.



Die Verteilung

Die Summe werde an die Opfer des mutmaßlichen Betrügers Bernard Madoff ausgezahlt, sagte Picard. Er hoffe, dass die Ausschüttung der Mittel in "naher Zukunft" beginnen könne.

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