Betrugsskandal
Hilfe für Madoffs Opfer

Eine Allianz von Anwaltskanzleien aus den USA und Europa fordert einen internationalen Finanzgerichtshof als Konsequenz aus dem Madoff-Skandal, bei dem ein Schaden von rund 50 Milliarden Dollar entstanden ist. Ein solches Gericht sei nötig, um das Vertrauen der Anleger wiederherzustellen.

NEW YORK. Eine Gruppe von Anwaltskanzleien aus den USA und Europa fordert als Konsequenz aus dem Madoff-Skandal die Einrichtung eines internationalen Gerichtshofs für Finanzdienstleister. "Angesichts der globalen Dimension brauchen wir eine globale Antwort, um das Vertrauen der Anleger dauerhaft wiederherzustellen", sagte Gaytri Kachroo, Vizechefin eines internationalen Kanzleibündnisses zur Aufarbeitung des Madoff-Skandals, dem Handelsblatt.

Kachroo repräsentiert eine Gruppe von 45 Kanzleien aus 25 Ländern, die sich in der "Global Law Firm Alliance: Madoff Case" zusammengefunden haben, um die Schätzung zufolge mehr als drei Millionen Opfer des Wall-Street-Schwindlers zu unterstützen. Ein solcher Gerichtshof könne über die Grenzen von nationalen Gesetzen hinweg global agierende Betrüger verfolgen, fügte die Anwältin hinzu. Kachroo ist Partner bei der angesehenen Bostoner Kanzlei McCarter & English. Sie berät den Finanzdetektiv Harry Markopolos, der die Aufsichtsbehörden über fast ein Jahrzehnt vergeblich auf die Machenschaften Madoffs hingewiesen hatte.

Der Madoff-Skandal ist mit Anlegerverlusten von 50 Mrd. Dollar wohl der größte Anlegerskandal der US-Geschichte. Bernard Madoff, ein Wall-Street-Veteran mit gutem Ruf, hatte wohlhabende Anleger aus der ganzen Welt jahrzehntelang mit einem Schneeballsystem betrogen, bevor er im Dezember 2008 aufflog. Er hatte den Investoren über die Jahre konstant hohe Renditen ausgezahlt, die nicht wie behauptet aus Anlagegeschäften stammten. Stattdessen hatte er Altinvestoren vor allem mit dem Geld neuer Opfer bedient. Er wäre vermutlich unentdeckt geblieben, wenn die Finanzkrise nicht plötzlich viele Anleger dazu veranlasst hätte, Geld abzuziehen. Das System kollabierte. Madoff stellte sich deshalb im Dezember selbst den Behörden. Er gestand, einen Schaden von 50 Mrd. Dollar angerichtet zu haben. Eine genaue Summe gibt es angesichts der Vielzahl der Opfer bislang nicht.

Am Donnerstag wird Madoff erstmals öffentlich vor Gericht aussagen. Erwartet wird, dass er sich schuldig bekennt, um für sich bessere Startbedingungen aushandeln zu können. Der heute 70-Jährige könnte nach einem Schuldspruch mit 20 bis 40 Jahren Freiheitsentzug bestraft werden.

Der von der Allianz der Anwälte erarbeitete Vorschlag eines internationalen Gerichtshofs steckt noch in den Kinderschuhen. So ist nach den Worten von Kachroo unklar, wo er angesiedelt sein könnte. "Aber die Vereinten Nationen wären sicher ein guter Ort". Man habe bereits mit dem Leiter der UN-Kommission für internationales Handelsrecht, Rafael Illescas gesprochen, der das Projekt befürworte. Bei den weiteren Details des Vorschlages blieb sie ebenso wage wie der Präsident der Allianz Javier Cremades. "Dieses Gericht kann nationales Recht nicht ersetzen, soll aber mehr als nur eine Schiedsstelle sein. Es muss Entscheidungen auch durchsetzen können", sagte Cremades. Nun wolle man zunächst mit US-Politikern und Finanzmarktaufsehern reden. In der nächsten Woche solle dann ein konkreter Vorschlag erarbeitet sein, den man dem am 2. April in London tagenden G20-Gipfel vorlegen wolle.

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