Bevölkerung in neuen EU-Ländern sehr sensibel und emotional
Neue Nachbarn – andere Kulturen

Die EU-Erweiterung zeigt die Mentalitätsunterschiede der Mitgliedsländer auf. Geschäftsbeziehungen mit Partnern aus den Beitrittsländern gestalten sich mitunter schwierig.

Eine Deutsche und ein Tscheche sollten eine binationale Kontaktbörse moderieren. „Am Abend des ersten Tages geht die Deutsche früh ins Bett, um für den nächsten Tag fit zu sein. Der Tscheche sitzt in einer fröhlichen Runde, redet, trinkt und lacht viel. Am nächsten Morgen bittet er die Deutsche, seine Moderation zu übernehmen“, erzählt Sylvia Schroll- Machl von einem Zusammenstoß verschiedener Kulturen.

Die Trainerin für interkulturelle Kompetenz weiß auch, wie es weiterging: Die Deutsche ist sauer und denkt, ihr Kollege säuft nur, während sie die ganze Arbeit machen muss. Der Tscheche dagegen hat im inoffiziellen Teil der Veranstaltung, abends bei Wein, schon viele Dinge geklärt, die am nächsten Tag zu behandeln gewesen wären. Er hält die Deutsche für unflexibel und ungerecht.

Auch zwischen engen Nachbarn kann es Mentalitätsunterschiede geben: „Die Mittel- und Osteuropäer sind persönlich orientiert, improvisieren gut und gerne und vermeiden Konflikte. Deutsche sind sachlich orientiert, planen alles durch und sagen was sie meinen – oft wenig diplomatisch.“

Die Bevölkerung in den neuen EU-Ländern sei viel sensibler und emotionaler, weiß die interkulturelle Trainerin. „Für Unternehmen heißt das: Oft ist es mit einer E-Mail nicht getan. Und auch ein Telefonat ersetzt kein persönliches Gespräch.“ Deutsche Firmen sollten sich darauf einstellen, häufiger vor Ort präsent zu sein und die zwischenmenschlichen Kontakte zu pflegen.

Auch Hannelore Schmidt, ebenfalls Trainerin, hält die Ost-Europäer für sensibler: „Sie haben große Umbrüche in ihren Ländern erlebt. Ihr Wertgefühl ist noch nicht so stabil wie das in Deutschland.“ Deshalb wird das Auftreten der selbstgewissen Deutschen dort häufig als überheblich empfunden. „Wir sind festgefahren in unseren Prozessen, weil wir damit bisher Erfolg hatten. Der Osten dagegen ist dynamisch, erfolgsorientiert. Die Leute arbeiten hart, Zwölf-Stunden-Tage sind normal. Sie sind gut ausgebildet und sehen den Umbruch als Chance.“

Zur Vermeidung interkultureller Missverständnisse, arbeitet die Metro AG mit einem lokalen Management. „Man kann Probleme auf diese Art minimieren“, glaubt Bernhard Taubenberger, Leiter der Unternehmenskommunikation bei der Metro-Tochter Media-Markt. Auch Siemens beugt vor: Theresia Tauber, die bei der Siemens AG Learning Campus verantwortlich ist für interkulturelle Beratung in Europa: „Wir wollen uns integrieren, Teil der Gesellschaft sein.“ Dazu bekommen Mitarbeiter in Seminaren Kultur, Wirtschaft und soziale Strukturen der Zielländer vermittelt. „Allerdings ist derzeit zum Beispiel die Nachfrage nach Asien-Trainings noch größer, weil uns dieser Kulturkreis fremder erscheint.“

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