Bewährungsstrafe für Ex-Ahold-Chef
Glimpflich davongekommen

Der ehemalige Vorstandsvorsitzende des niederländischen Supermarktkonzerns Ahold, Cees van der Hoeven, ist mit einem blauen Auge davongekommen. Wegen Betrugs und Bilanzfälschung erhielt der 59-Jährige gestern von einem Amsterdamer Gericht eine Bewährungsstrafe von neun Monaten.

BRÜSSEL. Die Staatsanwaltschaft hatte hingegen 20 Monate Haft, davon 15 hinter Gittern, gefordert. Cees van der Hoeven und sein Ex-Finanzdirektor Michiel Meurs müssen außerdem je 225 000 Euro Bußgeld zahlen. Die Richter befanden die beiden Männer für schuldig, Bilanzen gefälscht und Anleger in die Irre geführt zu haben. Die beiden Topmanager hätten „in ernsthafter Weise das Vertrauen der Anleger missbraucht“, hieß es in der Urteilsbegründung.

Damit endet für den mehrfach zum Manager des Jahres gekürten Van der Hoeven, der vor gut drei Jahren von der Ahold-Spitze abtrat, ein Verhandlungsmarathon. Immer wieder hatte er seine Unschuld beteuert, immer wieder war er von den Anschuldigungen eingeholt worden.

Dabei führte Cees van der Hoeven die Supermarktkette Ahold von 1993 bis 2003 die meiste Zeit erfolgreich. Dann, 2001, stellte er die Buchhaltung auf strengere US-Standards um. Der Gewinn fiel plötzlich um 85 Prozent. Zweimal musste Van der Hoeven 2002 Gewinnwarnungen herausgeben.

Aber der Todesstoß kam am 23. Februar 2003 aus Amerika. Das Unternehmen musste zugeben, dass seine Tochterfirma US-Foodservice über Jahre hinweg fast eine Milliarde Dollar zu viel an Gewinn verbucht hatte. Außerdem stellte sich heraus, dass die Gewinne einiger südamerikanischer Tochtergesellschaften vollständig in die Gesamtbilanz aufgenommen worden waren, obwohl Ahold die Unternehmen nicht zu 100 Prozent besaß.

Der Bilanzskandal hatte einen dramatischen Kursverlust zur Folge. Die Ahold-Aktie fiel innerhalb weniger Monate von 30 auf 2,02 Euro.

Van der Hoeven musste gehen. Aber von dem Schock hat sich Ahold nicht mehr erholt. Noch immer krebst das Traditionsunternehmen in den roten Zahlen: Anders Moberg, der Nachfolger Van der Hoevens, gestand erst vor ein paar Tagen erneut ein, dass er den Konzern bisher nicht aus der Talsohle herausgeführt hat.

Van der Hoeven will in die Berufung gehen. Zumindest finanziell kann er das Urteil sicherlich gut verkraften: Er arbeitet bereits seit einiger Zeit wieder als erfolgreicher Investmentberater bei der niederländischen Firma Boekhoorn.

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