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Bewährungsstrafe für selbstverstümmelten Versicherungsbetrüger

Im Betrugsprozess um einen 55 Jahre alten Mann, der sich freiwillig zum Krüppel fahren ließ, hat das Bielefelder Landgericht am Montag Freiheitsstrafen verhängt.

HB BIELEFELD. Die 39 Jahre alte Komplizin des Mannes muss für acht Jahre hinter Gitter. Der 55- jährige heute Schwerbehinderte aus dem niedersächsischem Bad Pyrmont kam mit einer zweijährigen Bewährungsstrafe davon. Er hatte sich von einem Auto zwei Mal überfahren lassen, um sich eine Versicherung auszahlen zu lassen. Beim Kassieren der Versicherungssumme ging er jedoch leer aus.

Auf das Konto der 39-jährigen Hauptverantwortlichen für die Selbstverstümmelung ihres Bekannten gehen dem Richterspruch zufolge Körperverletzung und Betrug. Sie sei die treibende Kraft hinter diesem bizarren Fall von Versicherungsbetrug gewesen. Äußerlich gefasst nahm die Frau das Urteil auf. "Es tut mir Leid, an dem Betrug beteiligt gewesen zu sein. Mit der Körperverletzung habe ich gar nichts zu tun", beteuerte die 39-Jährige noch zu Beginn des Prozesstages. Doch es half nichts. Ihre Einlassungen seien unlogisch und unplausibel, sagte der Vorsitzende Richter Dieter Fels: "Das ist vollkommen abstrus, was sie hier verbreitet haben."

Vor vier Jahren hatte sich der 55-Jährige absichtlich von einem Auto überfahren lassen. Hinterher machte seine 39-jährige Bekannte bei zwei Versicherungen Unfälle geltend und behauptete unter anderem, dass er beim Transport eines Schrankes die Treppe hinunter gefallen sei. Mehr als 815 000 Euro kassierte die Frau, betonte der Richter. Das freiwillige Unfallopfer sah hingegen kaum etwas von dem Geld. Der depressive Mann sei emotional von ihr abhängig gewesen. Kennen gelernt hatten sie sich Ende der 80er Jahre. Das Verhältnis blieb bestehen, auch als die Frau Anfang der neunziger Jahre wegen räuberischer Erpressung ins Gefängnis musste.

Nach ihrer Entlassung setzten beide das Verhältnis fort. Dabei sorgte der berufstätige 55-Jährige für den Lebensunterhalt des Paares. Die 39-Jährige arbeitete nur sporadisch. Als die Schulden übermächtig wurden, fasste sie nach Auffassung des Gerichts den Plan zu dem Versicherungsbetrug.

Daneben mussten sich auch eine 46 Jahre alte Freundin der 39- Jährigen und ein weiterer Bekannter vor Gericht verantworten. Die beiden Frauen hatten sich im Gefängnis kennen gelernt. Nachdem die 46-Jährige von dem Betrug Wind bekommen hatte, erpresste sie ihre Freundin. Sie wurde wegen Beihilfe zum Betrug und Geldwäsche zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt. Der ebenfalls 46-jährige Bekannte schließlich hatte den 55-Jährigen festgehalten, als das Auto ihn überrollte. Dafür verurteilte ihn das Gericht zu einer Haftstrafe von drei Jahren und zwei Monaten.

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