Bezahlung

Deutsche hadern mit Gehältern ihrer Manager

Laut einer neuen Umfrage zeigt wünschen sich die Deutschen härtere Regeln für die Vergütung von Managern. Dass sich bei den Unternehmen seit 2008 bereits einiges getan hat, hilft dabei wenig.
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Euroscheine und eine Geldbörse. Quelle: Michael S. Schwarzer

Euroscheine und eine Geldbörse.

(Foto: Michael S. Schwarzer)

DüsseldorfDas Einkommen von Führungskräften war in den vergangenen Monaten stets Anlass für heftige Diskussionen. Dabei interessieren sich nicht einmal die Hälfte der Deutschen für das Thema Managervergütung – das zumindest zeigt eine repräsentative Umfrage der Topmanagement-Beratung HKP. Zwei Jahre nachdem das Gesetz zur Angemessenheit der Vorstandsvergütung (VorstAG) in Kraft getreten war, wollten die Berater die öffentliche Meinung zum Thema wissen und beauftragten das Marktforschungsinstitut Demoscope, 1000 Bundesbürger zu befragen.

Demnach halten 58 Prozent der Teilnehmer die gesetzlichen Rahmenbedingungen zur Vergütung für nicht ausreichend. 54 Prozent nehmen die Diskussion als überwiegend emotional wahr.

Neben dem VorstAG, das Nachhaltigkeit, Angemessenheit und Transparenz in der Bezahlung der Topmanager verlangt, gibt es noch die Institutsvergütungsordnung in der Finanzwirtschaft oder das Offenlegungsgesetz für Vorstandsbezüge. Deutschland, so die Einschätzung der Berater, sei schon heute das am weitesten regulierte Land, „Detaillierungsgrad und Reichweite der Regelungen sind in dieser Form weltweit einzigartig“, heißt es in der Studie. HKP-Berater Michael Kramarsch fordert insbesondere von der Politik „mehr Verantwortung mit diesem Thema, um sozialen Sprengstoff zu vermeiden“. Die Gefahr, dass einer „faktenfreie Argumentation“ noch mehr Regulierung folge, sei sehr hoch.

Belege dafür liefert ihm die Umfrage. Danach glaubt die große Mehrheit der Bundesbürger, dass die Vergütungen systematisch falsch angelegt sind. Hohe Boni oder exorbitante Abfindungen, an denen sich der Streit über die Bezahlung von Führungskräften in der Wirtschaft immer wieder entzündet, werden nicht als Einzelfälle angesehen.

Die Folgen des Angemessenheitsgesetzes für die Vergütungssysteme selbst untersuchte in einer aktuellen Studie die gewerkschaftsnahe Hans-Boeckler-Stiftung. Das Ziel, Transparenz zu erhöhen und Kurzfristdenken zu reduzieren, hätten die führenden Dax-Konzerne nur teilweise erreicht, heißt es darin. Verglichen wurden die Jahre 2008, also vor dem Gesetz, und 2010.

Immerhin: Von Adidas bis Volkswagen knüpfen inzwischen alle Unternehmen ihre kurzfristigen Boni an Kennzahlen, die über zwei oder drei Jahre lang erreicht werden müssen. Auch bei der längerfristigen variablen Vergütung haben viele Konzerne laut Studie die Bemessungszeiträume gestreckt. Diese Nachhaltigkeit fordert das VorstAG. Die meisten der 30 Dax-Unternehmen nutzten allerdings weiterhin die altbekannten finanzwirtschaftlichen Kennziffern für die Erfolgsbeteiligung, heißt es in der Studie. Erst sieben Konzerne ziehen Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit oder Umweltaspekte zur Beurteilung des Erfolgs ihrer Spitzenkräfte heran. Das sind Allianz, BMW, Post und Telekom, RWE, SAP und VW.

Alle Dax-Unternehmen deckeln laut Studie zumindest Teile der variablen Vergütung. Das fordern 77 Prozent der Deutschen laut der HKP-Umfrage ohnehin. Dabei wird in der Regel aber von den Unternehmen keine absolute Größe in Euro genannt wie bei Thyssen-Krupp (1,5 Millionen Euro maximale Langfristvergütung), sondern ein maximaler Grad zur Zielerreichung (etwa 150 Prozent).

  • fo
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10 Kommentare zu "Bezahlung: Deutsche hadern mit Gehältern ihrer Manager"

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  • einer der im Gegensatz zu Ihnen zwischen den Ohren noch Gehirn hat

  • Ich bin selber Shareholder in UK und CH und die Entlohnung wird selbstverständlich offengelegt zumindest die des Executive board? Lesen Sie doch mal den Geschäftsbericht?

  • Was haben Verkehrsregeln mit der Unternehmensführung zu tun? Was sind Sie denn für ein Unternehmensberater? Lächerlich.

  • Es geht nicht um Einmischung. Es geht um horrende Zahlungen für Misserfolg, zweifelhafte Praktiken, Zockereien, Vernichtung von Markenwerten, Vergiftung des Betriebsklimas usw usw usw. . Shareholder Value wird eventuell noch in Gehälter einbezogen. Mitarbeiter- und Kundenbefindlichkeit jedoch nicht. Richtig ist: Theoretisch hätte sich der Staat rauszuhalten. Praktisch jedoch führt Nicht-Regulierung zu Zockerei in Banken, kundenübervorteilenden Praktiken in fast allen Wirtschaftsbereichen, Knebelverträgen, schlechtem Kundenservice, zunehmend abnehmender Identifikation und Motivation der Mitarbeiter bei gleichzeitig horrendesten Vergütungen der für die Katastrophen Verantwortlichen. Und da MUSS man einfach noch viel mehr einschreiten, als im Moment. Solange, bis wieder vernünftige Maßeinheiten einkehren. In dem MOment gilt dann wieder die Grundannahme: Kein Staat in der Wirtschaft. Solange die Wirtschaft (bzw. deren Verantwortungsträger) die Freiheit gnadenlos ausschliesslich zum eigene Wohl missbrauchen: Eingreifen! Wirtschaft ist von Menschen gemacht, wird von Menschen betrieben und erbringt Service und Produktion FÜR Menschen. Das daraus entstehende Kapital soll Menschen das Leben ermöglichen. Nicht umgekehrt. Ohne Menschen keine Wirtschaft. Aktuell betreiben wir aber Wirtschaft ohne Einbezug von Menschen - diese sind nämlich bestenfalls "Humankapital". Profitieren tun bestenfalls die Shareholder (wobei auch das nicht mehr funktioniert bei völlig von Fundamentaldaten abgekoppelten Märkten) und diejenigen, die die Mittelverwendung quasi nach eigenem Gusto bzw. über eigene Vertragsgestaltung bestimmen. Selbstregulierung ist immer vorzuziehen. Aber diese funktioniert nunmal nicht, weil die Herrschaften den Hals nicht voll bekommen. Wer viel leistet, soll viel verdienen. Viel verdienen nur aufgrund einer Position, egal wie mies die Leistung war, darum geht es zum Einen. Zum Anderen darum,ds auch der "leistende Angestellte" endlich etwas abbekommt.

  • Es geht nicht um Einmischung. Es geht um horrende Zahlungen für Misserfolg, zweifelhafte Praktiken, Zockereien, Vernichtung von Markenwerten, Vergiftung des Betriebsklimas usw usw usw. . Shareholder Value wird eventuell noch in Gehälter einbezogen. Mitarbeiter- und Kundenbefindlichkeit jedoch nicht. Richtig ist: Theoretisch hätte sich der Staat rauszuhalten. Praktisch jedoch führt Nicht-Regulierung zu Zockerei in Banken, kundenübervorteilenden Praktiken in fast allen Wirtschaftsbereichen, Knebelverträgen, schlechtem Kundenservice, zunehmend abnehmender Identifikation und Motivation der Mitarbeiter bei gleichzeitig horrendesten Vergütungen der für die Katastrophen Verantwortlichen. Und da MUSS man einfach noch viel mehr einschreiten, als im Moment. Solange, bis wieder vernünftige Maßeinheiten einkehren. In dem MOment gilt dann wieder die Grundannahme: Kein Staat in der Wirtschaft. Solange die Wirtschaft (bzw. deren Verantwortungsträger) die Freiheit gnadenlos ausschliesslich zum eigene Wohl missbrauchen: Eingreifen! Wirtschaft ist von Menschen gemacht, wird von Menschen betrieben und erbringt Service und Produktion FÜR Menschen. Das daraus entstehende Kapital soll Menschen das Leben ermöglichen. Nicht umgekehrt. Ohne Menschen keine Wirtschaft. Aktuell betreiben wir aber Wirtschaft ohne Einbezug von Menschen - diese sind nämlich bestenfalls "Humankapital". Profitieren tun bestenfalls die Shareholder (wobei auch das nicht mehr funktioniert bei völlig von Fundamentaldaten abgekoppelten Märkten) und diejenigen, die die Mittelverwendung quasi nach eigenem Gusto bzw. über eigene Vertragsgestaltung bestimmen. Selbstregulierung ist immer vorzuziehen. Aber diese funktioniert nunmal nicht, weil die Herrschaften den Hals nicht voll bekommen. Wer viel leistet, soll viel verdienen. Viel verdienen nur aufgrund einer Position, egal wie mies die Leistung war, darum geht es zum Einen. Zum Anderen darum,ds auch der "leistende Angestellte" endlich etwas abbekommt.

  • was für ein saublöder Kommentar, dann können wir die Verkehrsregeln ja auch abschaffen

  • Genau ! Ich habe in 3 Gross-Firmen in Deutschland gearbeitet, alle verdienen sehr gut, kein Mensch regt sich über das Gehalt anderer auf.

    Das ist sozialistische Hetze und Neid-Debatte, vierter Aufguss. Der HB-Autor ein Linker ???

  • Dann sollte die Entlohnung, und zwar alles was dazugehoert, aber auch dem Aktionaer (Eigentuemer) gegenueber offengelegt werden.

  • Was soll der sozialistische Blödsinn. Seit wann hat der Staat sich in die Bezahlung des Managements einzumischen. Das ist Angelegenheit der Eigentümer. Wieviel Regulierung verträgt das Land noch?! Aus Bürgersicht wäre es logischer und auch berechtigt die Besoldung der Beamten und deren Pensionsansprüche auf die Agenda zu setzen.

  • es geht ganz einfach: Einkommen aus unselbständiger Tätigkeit über x (z.B. 1,5 Mio. € p.a.) sollte mit 100% besteuert werden

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