BGH
Auch ein Übersetzer hat ein Urheberrecht

Eine Übersetzerin für die italienische Sprache hatte über viele Jahre hinweg eine Comicreihe aus dem Italienischen ins Deutsche übersetzt. Als Honorar hatte sie jeweils einen festen Betrag pro Buch erhalten. Als der Verlag von diesen Büchern auch Folgeauflagen druckte, verlangte die Übersetzerin ein weiteres Honorar mit der Begründung, dass ihr dies als Urheberin zustehe.

Dagegen behauptete der Verlag, es sei in der Vergangenheit üblich gewesen, dass Übersetzer von Comicbüchern gegen Zahlung eines einmaligen Betrages sämtliche Rechte an ihrer Arbeit übertragen. Der Bundesgerichtshof (BGH) gab der Klägerin nicht nur wegen ihres Argumentes Recht. Er machte in dem Urteil auch eine urheberrechtlich wichtige Bemerkung.

Selbst wenn es eine Branchenübung gegeben habe, derzufolge die Übersetzer von Comicheften mit einem einmaligen Honorar alle Rechte übertragen, reiche dies im vorliegenden Falle nicht aus. Es hätte vielmehr geprüft werden müssen, ob die Übersetzerin diese Branchenübung auch kannte. War dies nicht der Fall, wollte sie auch die Rechte für die Nutzung ihrer Leistungen an den Folgeauflagen nicht übertragen.

BGH vom 22. April 2004 ; Az. I ZR 174/01

Wettbewerb in Recht und Praxis 2004, S. 1497

Kontakt: Dr. Peter Schotthöfer

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