BGH trägt hohem Risiko bei Terminoptionen Rechnung
Anlagevermittler muss selbst Profi aufklären

Gewerbliche Vermittler von Terminoptionen müssen ihre Kunden unmissverständlich über die Gefahren dieser Geschäfte aufklären - manchmal auch dann, wenn die Anleger von Berufs wegen das Verlustrisiko eigentlich selbst kennen müssten.

HB/lg KARLSRUHE. Der Bundesgerichtshof (BGH) gab der Schadensersatzklage eines promovierten Wirtschaftsprüfers statt, der Mitte der 90er Jahre einen Vermittler mit Waren- und Devisenterminoptionsgeschäften an US-Börsen betraut und dabei gut 1,1 Mill. Euro verloren hatte. Laut BGH hatte die Vermittlungsgesellschaft ihren Kunden zwar deutlich, aber letztlich doch nicht dringlich genug vor den erheblichen Risiken solcher Geschäfte gewarnt.

Dass der Wirtschaftsprüfer in seiner Dissertation ausgerechnet über Optionsanleihen und Termingeschäfte geschrieben hatte, beeindruckte die Karlsruher Richter nicht. Zwar müssen laut BGH Kunden nicht aufgeklärt werden, die über ausreichende Kenntnisse und Erfahrungen mit solchen Geschäften verfügten. Die Besonderheit in diesem Fall war aber, dass die Optionsprämien mit einem Aufschlag versehen waren - was laut BGH vor allem die Anleger, die mehrere verschiedene Optionen erwerben, "aller Wahrscheinlichkeit nach im Ergebnis praktisch chancenlos" mache.

Diesen eindeutigen Hinweis vermisste das Gericht. Zwar war im Betreuungsvertrag vom erhöhten Verlustrisiko durch den Prämienaufschlag die Rede, und auch in einer Broschüre wurde die Gefahr eines Totalverlustes erwähnt. Das jedoch reicht laut BGH nicht, zumal an anderer Stelle wiederholt auf enorme Gewinnchancen hingewiesen worden war.

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