BGH weist Prospekthaftungsklagen gegen Julius Bär ab
Neue-Markt-Anleger gehen leer aus

Die Fonds- und Bankenbranche atmet auf. Für viele Anleger dürfte es ein schwarzer Tag gewesen sein. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat gestern zu Gunsten des vom einstigen Börsenguru Kurt Ochner gemanagten Julius Bär-Creativ-Fonds entschieden.

DÜSSELDORF. Die Anleger hätten sich im Fondsprospekt ausreichend über mögliche Risiken informieren können, befanden die Richter. Daher liefen ihre Schadensersatzforderungen ins Leere. Das Gericht enttäuschte damit die Hoffnungen von Investoren, die auf Schützenhilfe für Klagen von Fondsanlegern gehofft hatten.

Streitpunkt war, dass in dem Fondsprospekt die zwei Worte "Neuer Markt" nicht auftauchten, obwohl der Fonds überwiegend in dieses Anlagesegment investierte. Dadurch fühlten sich die Kläger falsch informiert. Das sah der BGH anders. Das Gericht machte deutlich, dass der Prospekt als Anlagestrategie ein breites Spektrum hoch spekulativer, zukunftsorientierter und innovativer Werte angegeben habe. Das umfasse auch den Neuen Markt. Der Anwalt von Julius Bär, Hermann Büttner, sagte, dass die Bindung an ein bestimmtes Marktsegment gerade nicht Anlageziel gewesen sei.

"Wir begrüßen das Urteil, weil es unseren Gesellschaften Rechtssicherheit gibt", sagte der Geschäftsführer des Fondsbranchenverbandes BVI, Rüdiger Päfler, dem Handelsblatt. Auch das Schweizer Bankhaus war zufrieden. "Wir haben immer gesagt, dass der Prospekt korrekt ist und deshalb nie eine Grundlage für Schadensersatz gesehen", sagte Jürg Stähelin von Julius Bär.

"Die Entscheidung ist schockierend und ein schwarzer Tag für viele Anleger, weil Julius Bär ein besonders krasser Fall war", sagte hingegen der klagende Anwalt Franz Braun. "Konsequenz des Urteils ist: Je schwammiger Prospekte formuliert sind, desto weniger haftet die Gesellschaft." Wenn sich eine Fondsgesellschaft so eindeutig für einen Anlageschwerpunkt entscheide, dann müsse dies im Verkaufsprospekt angegeben werden, beanstandeten die Anwälte Wendt Nassall und Braun. Dies gelte umso mehr, als dass die Gesellschaft mit dem Schwerpunkt "Neuer Markt" fast alles auf eine Karte gesetzt habe.

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