Management
Bier, Wein und Marktforschung

Internetunternehmen entdecken ein effektives und kostengünstiges Marketinginstrument: Sie treffen sich in der realen Welt mit ihren Online-Kunden. Damit binden sie nicht nur die Kunden erfolgreich an sich, sie können nebenher auch geschickt Marktforschung betreiben.

LONDON. Eine Stunde noch, doch Adrian aus Leicester wartet schon. Von Leicester hierher, ins Konferenzzentrum Excel in den Londoner Docklands, sind es ungefähr 200 Kilometer. „Der Aufwand ist schon ein wenig verrückt“, findet der Endzwanziger im schwarzen T-Shirt mit der Aufschrift „Diggnation“.

Im vorderen Drittel der Schlange steht er vergangenen Freitag, einige Hundert Menschen sind vor ihm, viele Hundert hinter ihm. Die Kleidung ist leger, schnell kommen die Einzelnen der Wartekette miteinander ins Gespräch. Am Ende füllen mehr als 2 000 Zuschauer den Saal, die Stühle reichen nicht, viele sitzen in den Gängen.

Sie warten auf zwei Typen in ausgebeulten Jeans und T-Shirts, die ohne großen Ankündigungstrubel auf die Bühne springen und ihre Laptops anschließen. Begrüßt werden sie von lautem Johlen und Hunderten in die Luft gereckter Bierflaschen – die Atmosphäre einer Studentenwohnheimparty dunstet durch die Luft.

Dies ist nicht das Konzert einer Indie-Rockgruppe oder eine Asta-Versammlung. Nein, hier wird nur ein Video-Podcast aufgezeichnet: „Diggnation“ ist eine alternative Nachrichtensendung. TV-Moderator Alex Albrecht und Kevin Rose diskutieren und lästern über Meldungen, die beim Online-Nachrichtendienst Digg, dessen Mitgründer Rose ist, besonders viele Stimmen der Nutzer erhalten haben. Über 250 000-mal wird diese Sendung abgerufen – jede Woche. „Es ist eine profitable Show“, betont Rose, den Sendungssponsoren sei Dank. Aufwand: eine Kamera und ein Laptop mit Video-Software.

Für gewöhnlich zeichnet das Diggnation-Team die Show auf dem Sofa im heimischen San Francisco auf. Einmal im Quartal aber geht es raus: Erst wird eine Diggnation-Folge live gesendet, dann werden die Nutzer zu einer Party eingeladen. Dort stehen Rose und Albrecht in London entspannt Rede und Antwort – Hunderte Gespräche führen sie, lassen sich immer wieder mit Fans ablichten. Mit der Idee, Online-Nutzer zu treffen, ist Digg Teil eines Trends der Branche: Viele Webfirmen entdecken, dass solche Veranstaltungen effektiver und kostengünstiger sind als jede andere Art des Marketings. Sie nutzen diese Treffen, um Kundenbindung zu betreiben, aber auch für Marktforschung und Fortbildung – zu überschaubaren Kosten.

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