Bilanzierungsregeln
Nur wer zahlt, bestimmt die Musik

Der Kampf um den Bilanzierungsrat ist nicht entschieden. Regierung, Verbände und Unternehmen verständigen sich zwar auf eine gemeinsame Strategie, die entscheidende Finanzierungsfrage aber ist offen.
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DÜSSELDORF. In wenigen Tagen wird es offiziell keine Institution mehr geben, die international die Interessen der deutschen Wirtschaft auf dem Feld der Bilanzierung vertritt. Das Deutsche Rechnungslegungs Standards Committee (DRSC) hatte diesen Auftrag wegen Finanzierungsproblemen per Jahresende an die Regierung zurückgegeben - und darauf gehofft, rechtzeitig eine Lösung zu finden. Bis jetzt sind sich die Beteiligten aber nur über eine neue Struktur des Standardsetzers einig. Beim Geld scheiden sich weiterhin die Geister.

Konkret fehlen nach Berechnungen des DRSC rund eine Million Euro pro Jahr, um die Arbeit aufrechtzuerhalten.

Zu den Aufgaben des DRSC zählt etwa die Vertretung deutscher Interessen gegenüber der EU und internationalen Standardisierern wie dem International Accounting Standards Board (IASB) in London. Dort wird über die IFRS-Bilanzierungsregeln entschieden, die vor allem von den großen börsennotierten Konzernen angewendet werden.

Das DRSC ist als Verein organisiert und wird von Mitgliedsbeiträgen aus Unternehmen und von Privatpersonen finanziert. Das Jahresbudget lag bei rund 2,5 Millionen Euro - hauptsächlich aus den Kassen der großen Dax-Konzerne. Die gaben natürlich auch den Ton an, sehr zum Ärger einiger Fachverbände, aber auch der mittelständischen Wirtschaft. Die fühlten sich vom DRSC nicht vertreten, weil das Gremium sich zu sehr an den Interessen großer Konzerne ausrichte.

Kritiker wollen auch deutsche Bilanzierungsregeln nach HGB verteidigt wissen. Immerhin bilanzieren trotz Globalisierung mehr Firmen nach HGB als nach IFRS. Kurz vor Weihnachten haben sich Vertreter des Bundesjustizministeriums und des DRSC, Wirtschaftsverbände und Unternehmen darauf verständigt, den gordischen Knoten durch die Einrichtung zweier Fachausschüsse zu lösen. Ein Gremium befasst sich künftig mit dem IFRS, ein zweites mit dem HGB. Zudem sollen die bislang nur assoziierten Verbände stärker in die Finanzierung eingebunden werden.

Das Konzept fand breite Zustimmung und wurde von einigen der Beteiligten schon als Durchbruch gefeiert. Laut Justizministerin Sabine Leutheuser-Schnarrenberger hatte sich die Runde geeinigt, dass der Verein künftig von Unternehmen und Verbänden getragen wird.

Der BDI sieht sich außerstande, das DRSC maßgeblich mitzufinanzieren

Hinter den Kulissen wird aber weiter um den eigentlichen Knackpunkt gefeilscht. So sieht sich der führende Industrieverband BDI außerstande, das DRSC maßgeblich mitzufinanzieren. Begründung: Die Mitglieder des BDI, die großen Dax-Konzerne, denken nicht daran, zwei Mal fürs DRSC zu zahlen. Einmal mit ihren direkten Beiträgen, ein zweites Mal indirekt über den von ihnen auch finanzierten BDI. Andere Verbände wollen nur bescheidene Beiträge zahlen.

Unter den jetzigen Mitgliedern des DRSC stößt das auf Unverständnis. "Solange die Verbände nicht mit vernünftigen Beiträgen rüberkommen, drehen wir uns im Kreis", sagt einer der Entscheider. Gemeint sind damit mindestens 50000 Euro Beitrag pro Jahr. Diesen Betrag zahlen Dax-Konzerne jetzt schon. Jetzt solle die Finanzierungsfrage bis Anfang Februar gelöst werden.

Gibt es keine Lösung, hat das DRSC keine Aufgabe mehr und müsste sich auflösen. Der Vertrag mit der Geschäftsführerin Liesel Knorr läuft ohnehin im Jahr 2011 aus. Das DRSC hat derzeit 142 Mitglieder, darunter 57 Unternehmen. 21 der 30 führenden Dax-Konzerne sind dabei.

Dieter Fockenbrock
Dieter Fockenbrock
Handelsblatt / Chefkorrespondent

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