Bilfinger-Chef Utnegaard
Der zielstrebige Norweger gibt auf

Nicht einmal ein Jahr hielt es Bilfinger-Chef Per Utnegaard auf dem Chefsessel beim kriselnden Bau- und Dienstleistungskonzern Bilfinger aus. Nun kapituliert der Norweger vor der Herkulesaufgabe. Was steckt dahinter?
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Düsseldorf/MannheimEr hat sich in die Herkulesaufgabe Bilfinger tief reingekniet, aber jetzt gibt er nach nur elf Monaten im Amt auf: Der Norweger Per Utnegaard legt völlig überraschend sein Amt als Vorstandsvorsitzender des kriselnden Bau- und Dienstleistungskonzerns nieder. „Aus persönlichen Gründen“, wie es in einer Mitteilung des Unternehmens heißt. Aufsichtsrat und der 56-jährige Manager hätten sich einvernehmlich darauf verständigt. Laut Agenturberichten soll dahinter kein Streit über die strategische Ausrichtung des angeschlagenen Konzerns stehen.

Die Suche nach einem Nachfolger läuft bereits auf Hochtouren: Das Kontrollgremium führe bereits Gespräche mit mehreren Kandidaten. Ziel sei es, eine Neubesetzung in Kürze bekannt zu geben. Bis auf weiteres übernehme Finanzvorstand Axel Salzmann zusätzlich die Aufgaben des Vorstandsvorsitzenden.

Als Utnegaard im Juni vergangenen Jahres von Großaktionär und Finanzinvestor Cevian an die Spitze des angeschlagenen Konzerns geholt wurde, hatte er schnell diagnostiziert, dass es die von Vorgänger Roland Koch beschworenen Synergien zwischen den drei Bilfinger-Sparten Power, Industrial sowie Building and Facility nicht gibt. Fokussierung war das Credo von Utnegaard: Also wurde die defizitäre Kraftwerkssparte verkauft und die eine Zwei-Säulen-Strategie mit den Sparten Industrial und Building and Facility als neue Marschrichtung vorgestellt. Doch mittlerweile steht auch die Ertragsperle, das Bau- und Immobiliengeschäft, zur Disposition.

Dem Traditionskonzern, dessen Wurzeln bis 1880 zurückreichen, droht damit die Zerschlagung. Im vergangenen Jahr verbuchte Bilfinger einen Rekordverlust von knapp einer halben Milliarde Euro. Die Dividende wurde gestrichen.

Utnegaard, der gut Deutsch spricht, hat sich für den Job in Mannheim empfohlen, weil es ihm zuvor gelungen war, die Schweizer Flughafen-Servicegesellschaft Swissport wieder auf Kurs zu bringen. Der Norweger ist wie alle Skandinavier freundlich, charmant und zugänglich. Wegbegleiter beschrieben ihn aber auch extrem zielstrebiger und entschlossenen.

Der in Oslo geborene studierte Betriebswirt hatte seine berufliche Karriere in den 1980er-Jahren bei der Beratungsgesellschaft AT Kearney in Stockholm gestartet und war danach bei verschiedenen Unternehmen in Führungspositionen tätig: bei den Logistikunternehmen TNT und Danzas etwa, der Schweizerischen Bundesbahn und dem Apotheken und Drogeriekonzern Alliance Boots.

Aus seiner Zeit in der Schweiz hat er auch den leicht eidgenössischen Akzent in seinem Deutsch mitgebracht, auch die norwegische Herkunft klingt noch mit durch. In Mannheim hatte er übrigens noch gar keine Zeit, heimisch zu werden – er wohnt im Hotel.

An dem strategischen Weg der Fokussierung auf das Kerngeschäft, die Utnegaard verkündet hatte, will Bilfinger indes festhalten, wie Aufsichtsratschef Eckhardt Cordes am Mittwoch erklärte: „Dieser strategische Weg wird konsequent fortgesetzt und Bilfinger zurück auf einen profitablen Wachstumskurs gebracht.“ Die Herkulesausgabe wartet nun auf einen Nachfolger.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Am besten, einen Chinesen holen.
    Der schafft eine Ordnung, bringt unbegrenzt Kapitalzugang mit und schafft die Leute an die Arbeit.

    Bilfinger soll mal wieder richtig was bauen lernen, nicht nur verwalten.

  • Bei dem CEO-Verschleiß von Bilfinger innerhalb so kurzer Zeit, muss der Headhunter für den Nächsten aber mindestens das doppelte Gehalt anbieten, dass man(n) sich das noch antut.

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