Bill Gross will US-Hypothekenpapiere aufkaufen
Der risikofreudige Bond-König

Seine Karriere begann im Spielcasino, jetzt will es Bill Gross noch einmal wissen: Der Pimco-Chef plant offenbar einen neuen "Geierfonds" für Hypothekenanleihen. Der leidenschaftliche Black-Jack-Spieler will seinen Fonds wieder zum unumstrittenen Renditestar machen.

ZÜRICH. Bill Gross ist eine Spielernatur. So zumindest ließe sich interpretieren, dass der Chef des weltgrößten Anleihenhändlers Pacific Investment Management Co. (Pimco) offenbar im großen Stil notleidende US-Hypothekenpapiere aufkaufen will. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg plant die Allianz-Tochter unter dem Wortungetüm "Distressed Senior Credit Opportunities Fund" (Disco) für bis zu fünf Mrd. Dollar Kreditderivate zu übernehmen, die durch private und gewerbliche Hypotheken gedeckt sind. Anders als bisher will Gross angeblich auch in Schuldverschreibungen investieren, die nicht von der US-Regierung oder den staatlich gestützten Finanzinstituten Fannie Mae und Freddie Mac garantiert werden. Pimco selbst wollte die Meldung nicht kommentieren.

Der Schachzug von Gross ist ein weiteres Signal dafür, dass führende Investoren trotz der Abwärtsspirale auf dem Immobilienmarkt inzwischen mehr Chancen als Risiken im krisengeschüttelten Segment für Hypothekenpapiere sehen. So haben die Vermögensverwalter von Blackrock bereits mehrere so genannter "Geierfonds" aufgelegt, die aus den Überresten der Finanzkrise Kapital schlagen wollen.

Der als "Bond-König" bekannt gewordene Gross hat den Anteil von Hypothekenpapieren in seinem Total Return Fund innerhalb des letzten Jahres von zuvor 53 auf 61 Prozent angehoben. Bereits Ende 2007 hatte er erklärt, dass die dramatischen Wertkorrekturen bei Kreditderivaten attraktive Anlagemöglichkeiten eröffnet haben. Mit seinem Hypotheken-Roulette will der leidenschaftliche Black-Jack-Spieler seinen Fonds wieder zum unumstrittenen Renditestar im Anleihengeschäft machen. In den vergangenen zwölf Monaten hat Gross erneut 99 Prozent seiner Wettbewerber geschlagen.

Das war zuletzt nicht immer so. Lange hatte Gross die Widerstandsfähigkeit der US-Wirtschaft unterschätzt und zu früh den konjunkturellen Einbruch vorausgesagt - nicht seine erste Fehlprognose. Im Mai 2006 räumte er ein, dass die stark wachsende Weltwirtschaft die Renditen an den Anleihemärkten auf eine für ihn unerwartete Höhe getrieben hatte. "Mein Fehler", gestand er auf der Pimco-Webseite. Ein ungewohntes Geständnis für den Perfektionisten, der als Chef-Stratege von seiner Kommandozentrale in Newport Beach/Kalifornien aus ein Vermögen von rund 830 Mrd. Dollar steuert.

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