Bio-Textilien
Moral kommt in Mode

Öko-Mode und nachhaltig hergestellte Bekleidung haben ihr Nischendasein hinter sich gelassen. Die Nachfrage nach Bio-Textilien wächst – das Angebot beschränkt sich längst nicht mehr auf die großen Filialisten.

HAMBURG. Die Idee ist so simpel wie clever: Unter dem Label „Made-By“ haben sechs Holländer eine Art Spurensicherung für Textilien entwickelt, die Modeherstellern zu einem sauberen Image verhelfen soll. Mit dem System „Track & Trace“ können Verbraucher die Entwicklung eines Kleidungsstücks vom fertigen Produkt bis zur Faser zurückverfolgen. Dazu geben sie einen Code, der auf dem Verkaufsetikett der Ware vermerkt ist, ins Internet ein und können sich so ein Bild darüber machen, unter welchen Bedingungen ihr Kleidungsstück wo entstanden ist. Gut zwanzig Modemarken hat das Unternehmen bereits auf seiner Kundenliste, darunter Norintra, das Designcenter der Arcandor AG. Weil die Nachfrage hierzulande so groß ist, eröffnet Made-by im kommenden Sommer eine Niederlassung in Deutschland.

Öko-Mode und nachhaltig hergestellte Bekleidung haben längst ihr Nischendasein überwunden – der breite Markt öffnet sich. Große Einzelhändler wie C&A, H&M, Karstadt und Otto bieten Kleidung aus Bio-Baumwolle an – genauso wie die Markenhersteller Levi’s, Nike, Tom Tailor, Marc O’Polo oder Timberland. Kürzlich hat auch der Discounter Plus eine Kinderkollektion aus biologisch angebauter Baumwolle in seine Läden gebracht, bei der auf den Einsatz von Pestiziden, künstlichen Düngemitteln und gentechnisch veränderten Organismen verzichtet wird.

Egal, ob ein Hersteller nun teilweise Bio-Baumwolle verwendet oder seine Hemden und Pullover hundertprozentig fair, nachhaltig, ökologisch und sozialverträglich herstellen lässt: Die Nachfrage nach „grüner Mode“ wächst. „Das Thema Öko-Textilien gewinnt in der Bevölkerung an Bedeutung“, sagt Johannes Siemes, Leiter Konsumgüter und Einzelhandel bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG. „Auch wenn wir uns noch auf einer eher niedrigen Basis bewegen – wir gehen davon aus, dass Öko-Textilien mittelfristig eine größere Bedeutung im Textilhandel erreichen können.“

Ähnlich wie im Lebensmittelbereich hat Bio-Mode die Zielgruppe der wollsockentragenden Idealisten verlassen – inzwischen interessieren sich meist besser verdienende Kunden dafür. Diesen Trend hat Peter Ingwersen mit seinem Label „Noir“ schon vor drei Jahren erkannt. Der Däne ist neben Stella McCartney einer der Vorreiter unter den internationalen Designern, die Luxusmode mit Bio kombinieren. Der ehemalige Levi’s-Markenchef setzt auf modische und sexy Entwürfe, die sich auf den ersten Blick durch nichts von konventionellen Kleidern und Jacken unterscheiden. Allerdings verwendet Ingwersen Öko-Baumwolle aus Uganda, die er über eine Zweitfirma anbauen lässt. Deren Arbeiter bekommen faire Löhne, und über Gewinnrückflüsse sorgt Ingwersen für Bildung und Medikamente. Zuletzt hat der Däne den Sprung in die USA gewagt, demnächst bringt er Herrenmode auf den Markt.



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