Biografie über Ex-Deutsche-Bank-Chef
Die späte Reue des Josef Ackermann

Was für ein Mensch ist Josef Ackermann wirklich? Sein Wegbegleiter Stefan Baron beantwortet diese Frage in seiner Biografie besser als fast alle vor ihm. Der Ex-Chef der Deutschen Bank tickt anders, als viele denken.
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DüsseldorfManchmal gibt es Bücher, die sind vor allem wegen dem interessant, was nicht in ihnen steht. Was nur angedeutet wird oder geschickt verpackt „zwischen den Zeilen“ erkannt werden will. Stefan Baron hat mit „Späte Reue“ so ein Buch geschrieben: Die Lektüre lohnt sich für den, der aufmerksam liest und die Lücken füllt.

Die Biografie über seinen Ex-Chef kämpft nämlich von der ersten Zeile an mit einem enormen Glaubwürdigkeitsproblem. Wie soll der ehemalige Pressesprecher der Deutschen Bank offen und ehrlich über seine fünf Jahre an der Seite von Josef Ackermann berichten?

Natürlich mangelt es dem früheren Chefredakteur der „WirtschaftsWoche“ an Distanz. Das führt dazu, dass der Autor seinen Ex-Chef bisweilen nicht hart genug anpackt. Aber die Nähe ermöglicht umgekehrt interessante Einblicke. Und so gelingt es Baron auf den rund 300 Seiten, allerlei Neues über Josef Ackermann aufzuschreiben. Über den streitbarsten Banker Europas, der allzu sehr polarisiert und über den man eben doch nicht so leicht den Stab brechen kann. An diesem Donnerstag wird das Buch vorgestellt.

Der Schweizer wurde schon einige Male porträtiert. Vor allem seit Leo Müllers ausgezeichneter Biografie „Ackermanns Welt“ weiß man vieles über seine Kindheit und seinen Alltag. Stefan Baron fokussiert sich - wie der Titel schon sagt - auf das Thema Reue und beschreibt diese aufregende Zeit von Juni 2007 bis Mitte 2012, als sie Seite an Seite durch die Finanzkrise schritten und die Wirren rund um Ackermanns Abschied von Deutschlands größtem Geldhaus überstanden. Als er den Preis bezahlen musste für die Missetaten, die durch sein Streben nach Rendite passiert sind – und wie ihn das verändert hat.

Sein Rücktritt als Verwaltungsratspräsident beim Versicherungskonzern Zurich vor wenigen Tagen findet sich dagegen nicht in der Biografie wieder. Zu frisch sind die Ereignisse. Ackermann war abgetreten, nachdem sich Zurich-Finanzchef Pierre Wauthier das Leben genommen hatte – und ihn in einem Abschiedsbrief erwähnt haben soll.

Wer ist Josef Ackermann wirklich? Was prägt ihn mehr, Moral oder Gier? Tatsächlich gelingt es Baron, einige Antworten zu finden und dem Wesen Ackermanns näher zu kommen. Er ist ein sehr moralischer Mensch. Diszipliniert, hart gegen andere und sich selbst und bereit, für sein Geldhaus weit zu gehen. Das Renditeziel von 25 Prozent ist Ackermanns Markenzeichen und der Quartalsgewinn der Maßstab. Und in diesem Streben nach Erfolg ist etwas verloren gegangen, das sich Ackermann am Ende zurückholen musste: „Die Finanzkrise hat ihn schmerzlich daran erinnert, dass weder Menschen noch Märkte vollkommen sind. Sie hat ihm den moralischen Kompass ins Bewusstsein zurückgerufen, den sein Vater ihm einst mit auf den Weg gegeben hat“, schreibt Baron.

Kommentare zu " Biografie über Ex-Deutsche-Bank-Chef: Die späte Reue des Josef Ackermann"

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  • Was soll man dazu sagen, wenn es überhaupt erwünscht ist. Zunächst vielleicht, daß man das Problem nicht an der Person Ackermann festmachenn sollte.

    Es ist vielmehr die ewig ungelöste Quadratur des Kreises zwischen Rendite, Risiko, Volabilität und Nachhaltigkeit.

    Zwischen Rendite und Risiko gibt es ein mathematisch wohl definiertes Verhältnis, das zur Zeit von den Zentralbanken mit voller Absicht ausgehebelt wird. Beim russischen Roulette gelten exakt dieselben Gesetze. Da aber die Folgen unmittelbar und tödlich sind, ist russisches Roulette nicht so populär wie die Politik der Zentralbanken. Keine Sorge, auf längere Sicht wird das Ergebnis gleich sein, dafür sorgt die Mathematik.

    Volatilität kommt von außen. Im Bankgeschäft ist das die Politik. Es ist daher völlig verständlich, daß Bänker, schon vor und mit Josef Abs, die Nähe zur Politik suchen, um diesen Faktor zu minimieren. Soll man das Herrn Ackermann verdenken?

    Nachhaltigkeit ist ein modernes Wort, welches jedoch sehr zutreffend ist für das Bankgeschäft. Man darf ein riskantes Geschäft schon eingehen, aber nicht zur Geschäftsgrundlage machen. mondahu hat mit Aktien von Lehman Bros. 15900 % Gewinn gemacht (Kurs 12.08 zu 09.09), aber erst nach dem Fall und mit einem Einsatz, der ihn nicht in Gefahr brachte. Das macht man einmal im Leben, womit wir wieder beim russischen Roulette wären.

    25% Rendite auf das Eigenkapital einer Bank war vor 10 Jahren nicht außergewöhnlich, aber nur vertretbar mit der niedrigen Volatilität der damaligen Jahre. Das ist Geschichte. Zu Josef Abs' Zeiten war das Bankgeschäft noch geradezu gemütlich im Vergleich zu heute.

  • Solange es Menschen gibt, die vor den vermeintlichen Qualitäten von Personen wie Ackermann den Hut ziehen und von ausserordentlichen Leistungen sprechen, glauben, dass 25% Rendite für derartige Luftblasen, die diese Unternehmen sich in der Konsequenz dafür ausgedacht und an leider auch zu naive Kunden verkauft haben, solange werden immer wieder solche falsche Götzen auf den Bühnen erscheinen und den Applaus derjenigen erhalten, die glauben, dass man aus Scheiße doch Gold machen kann und die dann die Mittel, die den Zweck heiligen sollen, dann auch noch mit aller Kraft und Überzeugung verteidigen. Ja wir waren nicht bei allen Sitzungen und 4-Augengesprächen dabei und daher haben wir alle Vorurteile oder sind geistig zu minderbemittelt um den Zinseszinseffekt zu verstehen, weil wir nicht auf den Eliteschulen oder den Kaderschmieden entwachsen sind und manche hier im Forum meinen, Dummheit gehört eh bestraft. Aber eines muss jedem Menschen klar sein. Wenn wenige Menschen ohne zu arbeiten in jeder Wirtschaftlage immer ihre mind. 5% Rendite haben wollen und dies mittels dieser Ackermänner umgesetzt bekommen, müssen viele andere Menschen dafür Verluste hinnnehmen oder sich verschulden (Staaten). Mit der Macht von Personen wie Ackermann steigt auch die Verantwortung. Wer sich selbst so exponiert hat, der muss sich auch härter angefassen lassen, denn ob er will oder nicht, er gibt Werte vor oder im Falle Ackermann, zerstört diese (Mass halten, Vertrauen, Fairness, Nachhaltigkeit etc.) in einem Umfang, den er auch nicht mit SOS Kinderdörfer wettmachen kann. Wessen Unternehmen Kredite an Rüstungsfirmen vergeben hat oder noch vergibt, die sich auf der Liste der geächteten Rüstungshersteller befinden, weil sie diese kleinen Flügelgranaten herstellen, die besonders darauf abzielen, Kindern die Gliedmaßen abzureißen, für dessen Scheinheiligkeit finde ich keinen Superlativ.

  • @Gaishirtle
    DANKE, es gibt also doch einige die es begreifen mit den 25%, und die Aufsichtsbehörden sprich der Staat haben es den Banken erlaubt mit so wenig Eigenkapital zu arbeiten.

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