Bislang kein Aufsichtsratsmandat für den MAN-Chef
Rupprecht wartet auf den Ruf

Bei MAN läuft einiges anders als in anderen Dax-Konzernen. Derzeit spielt sich dort etwas Seltsames ab. Die Amtszeit von Vorstandschef Rudolf Rupprecht läuft nach über 30 Jahren im Konzern zum Jahresende ab. Bislang aber gibt es noch keinen Ruf in den Aufsichtsrat für den altgedienten Manager.

HB MÜNCHEN. Das verwundert. Denn ganz im Sinne der vorbildlichen Unternehmensführung lehnte der bescheiden auftretende Rupprecht – im Gegensatz zu seinen Kollegen Albrecht Schmidt von der Hypo-Vereinsbank oder Heinrich von Pierer bei Siemens – den Vorsitz im Aufsichtsrat grundsätzlich ab. Als einfaches Mitglied wollte er nur in den Aufsichtsrat rücken: „Wenn ich gerufen werde, bin ich bereit, aber ich dränge mich nicht auf.“

Eigentlich hatte der 64-Jährige erwartet, dass sein Rat als Aufseher noch gefragt sein müsste. Doch daraus wird wohl vorerst nichts. Seine Bescheidenheit wird nicht honoriert. „Im Moment sind keine Änderungen im Aufsichtsrat geplant“, heißt es aus Branchenkreisen. Am Freitag tagt das Gremium zum letzten Mal in diesem Jahr. Personalien stehen nicht auf der Tagesordnung. Das wäre allerdings notwendig. Denn der bisherige Aufsichtsrat ist bis 2007 gewählt. Sollte Rupprecht in das Gremium einrücken, müsste also jemand anderes weichen. Danach sieht es aber nicht aus.

Großaktionär Allianz, der zusammen mit der Münchener Rück und der Commerzbank mit knapp einem Drittel an dem Münchener Mischkonzern beteiligt ist, hatte Rupprecht im vergangenen Jahr zum Weitermachen überredet. Sein Vorstandsvertrag wurde um ein Jahr verlängert, damit mehr Zeit für eine Nachfolge gewonnen werden konnte. Rupprecht brachte mit Hakan Samuelsson sogar seinen Kandidaten durch. Und der soll aufrechterhalten, wofür Rupprecht seit langem kämpft – nämlich den Konzern in seiner bisherigen Form mit den wichtigsten Hauptsparten Nutzfahrzeuge, Dieselmotoren, Druckmaschinen und Anlagenbau. Über die Hintergründe, warum Rupprecht nicht sofort in den Aufsichtsrat berufen wird, wird derzeit gerätselt. Ein Zerwürfnis zwischen ihm und Paul Achleitner, Vertreter im Aufsichtsrat für die Allianz und Beteiligungsvorstand des Versicherers, gibt es angeblich nicht. Die beiden hätten vielmehr „ein sehr gutes und vertrauensvolles Verhältnis“, heißt es in Branchenkreisen.

Dabei könnten die beiden Manager unterschiedlicher kaum sein. Da der agile und dynamische ehemalige Investmentbanker Achleitner, dort der konservative Bewahrer, der sich als Bollwerk gegen die Zerschlagung des Konzerns erwies. Sollte Rupprecht tatsächlich nicht in den Aufsichtsrat rücken, hätte kein Mitglied der Kapitalseite des Gremiums Erfahrung im Konzern. So etwas gibt es in kaum einem anderen Dax-Unternehmen. Das dürfte selbst Aktionärsschützern, die zu Recht gegen fließende Wechsel in den Aufsichtsrat protestieren, des Guten zu viel sein.

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