Björn Hendrik Robens
Der stille Stratege

Ab Freitag muss sich die Bankenszene an ein neues Gesicht gewöhnen. Eines, das in Frankfurt kaum jemand kennt, denn ein Lautsprecher ist der 36-Jährige nicht, eher ein Mann der leisen Töne, ein stiller Stratege im Hintergrund. Gemeint ist Björn Hendrik Robens. Er soll künftig das wichtige Privatkundengeschäft der BHF-Bank leiten.

FRANKFURT. „Was auch immer du tust, handle klug und bedenke das Ende.“ Sein Motto ist das nicht, aber passen würde die Mahnung aus dem Mittelalter auf Björn Hendrik Robens, der ab Januar neuer Privatkunden-Vorstand der BHF-Bank werden soll und damit Louis Graf von Zech ablöst. Heute entscheidet der Aufsichtsrat über seine Ernennung. Ab morgen muss sich die Bankenszene an ein neues Gesicht gewöhnen. Björn Hendrik Robens ist ein Mann, der gründlich analysiert, langfristig plant und zäh seine Ziele verfolgt, zum Beispiel die BHF zu einer der führenden Privatbanken in Europa zu machen.

Dafür ist er vor rund drei Jahren als Unternehmensberater in das Haus in der Bockenheimer Landstraße geholt worden. Damals steckte die noch zur holländischen Finanzgruppe ING gehörende BHF in Schwierigkeiten: Die Bank war zu klein, um im internationalen Wettbewerb zu bestehen, die Führungsriege verzettelte sich in Machtkämpfen mit der holländischen Mutter, die Bank verdiente nicht einmal ihre Kapitalkosten und hatte zu viele faule Kredite in den Büchern. Robens, damals Bankenspezialist bei Roland Berger, sollte es richten, so wie schon bei anderen Instituten in Süddeutschland. Namen nennt er nicht, Diskretion ist Ehrensache.

Bei der defizitären BHF, stutzte er weg, was zu viel kostete, baute aus, was Gewinn brachte und half, die Übernahme durch Sal. Oppenheim einzufädeln. 600 Mill. Euro ließen sich die Kölner den Kauf kosten, behielten die Vermögensverwaltung und das Finanzmarktgeschäft und ließen das defizitäre Kreditgeschäft den Holländern – ein lohnender Deal: 2005 erwirtschaftete die BHF 93 Mill. Euro vor Steuern, im vergangenen Jahr waren es 107 Mill. Euro. Die guten Zahlen stammen auch von Robens, der als Berater kam und als Bereichsleiter für vermögende Privatkunden blieb. Die vertrauten ihm allein von Januar bis Juni dieses Jahres 820 Mill. Euro frisches Geld an, insgesamt verwaltet er rund 20 Mrd. Euro.

Eigentlich wollte der Sohn aus gutbürgerlichem Hause Rallyefahrer werden. Er studierte dann aber doch lieber BWL und spezialisierte sich auf Strategien und Banken. Der Großvater war Insolvenzverwalter, der Vater Controller, die Onkel sind Anwälte. Zu wirtschaftlichen Dingen hatte er wohl auch einen Bezug. Vom Sport nahm er trotzdem Einiges mit: Als Berater zog er die Strippen so wie einst im Fußballverein, wo er vom Mittelfeld aus das Spiel dirigierte. Ein ausgewiesener Teamspieler, sei er, sagen seine Mitarbeiter, von denen so manche aus dem ehemaligen Berger-Team stammen, mit dem er die BHF modernisierte. Berechenbar sei er, sagen jene, die ihn schätzen, „arrogant“ und „perfektionistisch“, sagen die, die ihn nicht mögen. Einig sind sich alle, dass er nie laut wird. Und keiner ist, der sich brachial nach oben boxt, auch wenn er sich abends fit hält mit Haken, Jabs und Punchen.

Robens glaubt an Arbeit, Fairness und Fakten. Und deshalb mag er sich nicht äußern zu den jüngsten Verkaufsspekulationen um die BHF, zu ausländischen Investoren und Milliardengeboten. Darüber aber schweigt Robens. Er erzählt lieber von seiner sechsjährigen Tochter, bei der gerade Bibi Blocksberg so hoch im Kurs steht wie die Dinosaurier im Senckenberg-Museum. Die beherrschten immerhin rund 160 Mill. Jahre lang die Erde, eine Langfristplanung, auch nach Robens Geschmack.

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