Blancpain, Glashütte, Breguet ebenfalls im Konzern
Napoleon der Uhrenindustrie

Sein Sohn ist zwar seit einem Jahr Chef der Swatch-Gruppe. Doch der gebürtige Libanese und Wahlschweizer Nicolas G. Hayek zieht immer noch die Fäden in dem Imperium.

BIEL. Napoleon. Ja, Napoleon passt. Schon äußerlich. Der Korse war auch nicht größer als der Libanese Nicolas G. Hayek mit seinen 1,69 Metern. Napoleon hat sich selbst gekrönt. Hayek hat gegen den Titel Uhrenkönig nichts einzuwenden. Der Franzose hat ein Imperium errichtet. An der Swatch-Gruppe des Wahlschweizers führt kein Weg vorbei. Napoleon hat alle seine Lieben auf führende Posten gehoben. Bei den Hayeks ist es ebenso: Sohn Nick führt die Firma. Tochter Nayla sitzt im Verwaltungsrat, Enkel Marc Alexander in der Konzernleitung.

Der Kaiser erlebte sein Waterloo. Hayek baute sein Swatchmobil und musste mitansehen, wie es sich unter den Händen von Daimler-Chrysler in einen simplen Smart verwandelte. Noch heute trauert er seiner Erfindung nach, auch wenn der Autonarr zugeben muss, dass der Extrem-Smart Crossfire zu seinen Lieblingsautos gehört.

Der kleine Korse starb einsam – womit die Vergleiche am Ende wären. Nicolas G. Hayek ist quicklebendig, mischt weiter kräftig im Konzern mit, so dass der Sohn, der seit Anfang 2004 offiziell die Geschäfte führt, wenig Chancen hat, dem Unternehmen seinen Stempel aufzudrücken. Und mit 77 Jahren ist der Senior noch immer lieber ein großer, kreativer Junge als ein weiser Mann. Die Schweizer haben gelernt, ihn dafür zu lieben. Die Stadt Biel, der er mit dem Wiederaufbau der Uhrenindustrie ihr Selbstvertrauen zurückgab, hat ihn jetzt mit ihrer Ehrenbürgerwürde bedacht.

„Lob ist sein Lebenselixier“, sagt ein Redner beim Festakt. Stimmt. Der Uhrenkönig sitzt ganz vorne im plüschigen Palast-Theater der Stadt, umgeben von seiner Familie: Augen, die den Redner fixieren, Vollbart. Er könnte auch Teppiche im Orient verkaufen. Wie immer ist der obere Hemdknopf geöffnet, die Krawatte leicht schief. Auf den Ärmeln der Jacke wölben sich die Abdrücke mehrerer Armbanduhren.

Der Mann ist die in Szene gesetzte Aufmüpfigkeit: immer haarscharf gegen den guten Geschmack. Er hat das charmante Querdenken zur Methode erhoben. „Wer nicht verrückte Ideen verfolgen kann wie ein Kind, der kann nicht in einer Führungsposition arbeiten“, sagt Hayek über sein Lieblingsthema: Hayek. Weil der Erfolg ihm Recht gibt und weil sie zu gern auch ein bisschen so wären wie er, lassen ihm die Eidgenossen, in deren Geschichte Helden wie Napoleon Mangelware sind, diese Eitelkeiten durchgehen. „Hayek hilf“, titelte eine Zeitung, als die Fluglinie Swiss am Boden lag. Sie trauen ihm immer noch alles zu.

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