BMW-Chef Norbert Reithofer
Der Anti-Zetsche

Große Gesten sind seine Sache nicht. BMW-Chef Norbert Reithofer verzichtet auf dem Pariser Autosalon auf kamerawirksame Showeinlagen und lässt Zahlen sprechen. Doch die Luft für den erfolgsverwöhnten Konzern und seinen Vorstandsvorsitzenden wird dünner.

PARIS. Konzentriert und ein wenig steif steht Norbert Reithofer im Scheinwerferlicht des BMW-Standes auf dem Pariser Autosalon im dunklen Anzug mit weißem Hemd und rot-weiß-grau gestreifter Krawatte. Die Haare sind akkurat gescheitelt, seine Arme ruhen meist am Redepult. Der erste große Publikumsauftritt des studierten Maschinenbauers wirkt besonnen und nüchtern. Vom Glamour eines Dieter Zetsche, der als Daimler-Chrysler-Chef schon mal mit Jeep und US-Baseballkappe auf die Bühne rast oder kamerawirksam zur Violine greift, ist nichts zu spüren. Kein Showbiz, kein Tamtam. Wer einen Kurswechsel oder einen harten Bruch erwartet hatte, wird enttäuscht. Der 50-jährige Bayer, der seit vier Wochen an der Spitze des BMW-Konzerns steht, schlägt leise Töne an.

Wie bei keinem einem anderen deutschen Autohersteller sind bei BMW das Team und die Marke die Star. Die Familie Quandt, die bei den Bayern das Sagen hat, schätzt keine Topmanager, die allzu deutlich in die Schlagzeilen drängen. Das Unternehmen geht immer vor, Eitelkeiten haben zurückzustehen. Das musste auch Reithofers Vorgänger Helmut Panke erkennen. Obwohl er erfolgreich war und gerne weitergemacht hätte, musste er einen Tag nach Erreichen der Altersgrenze für BMW-Vorstände von 60 Jahren den Stuhl räumen. „Bei BMW ist ein Vorstandsvorsitzender eher ein Manager – also ein Verwalter – im ursprünglichen Sinn“, sagt Christoph Stürmer, Autoexperte beim Prognoseinstitut Global Insight.

Doch mit Verwalten allein wird es bei BMW in den nächsten Jahren nicht getan sein. Die Luft für den erfolgsverwöhnten Konzern wird dünner. Schon jetzt ist absehbar, dass Modellwechsel im zweiten Halbjahr die Absatzdynamik bei BMW bremsen. Reithofer erneuerte zwar in Paris die Ergebnisprognose, doch BMW hatte im August den zweiten Monat in Folge einen Absatzeinbruch hinnehmen müssen. Erstmals seit Monaten zog der Rivale Mercedes beim Absatz vorbei. Um Mercedes auf Abstand zu halten, will der bisherige BMW-Produktionsvorstand die Produktoffensive fortsetzen. Bis zum Ende des Jahrzehnts will BMW 1,6 Millionen Fahrzeuge verkaufen, bislang sind es lediglich 1,3 Millionen. Reithofer sieht in Paris den Trend bereits wieder gebrochen. „Wir liegen den letzten Hochrechnungen zufolge sowohl im Monat September als auch per September auf Konzernebene über den Vorjahreswerten“, ruft er dem Publikum zu. Er sei zuversichtlich, dass BMW auch Ende 2006 nach Absatz der erfolgreichste Premiumhersteller sein werde. „Diese Bastion wollen wir halten“, sagt er. Die Replik von Daimler-Chrysler-Chef Dieter Zetsche in Paris ließ allerdings nicht auf sich warten: „Das Thema ist für uns nicht relevant“, diktierte er Journalisten in die Blöcke.

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