BMW-Chefdesigner
„Auto und Design erleben eine wirkliche Veränderung“

Autos bekommen wieder Charakter, so der BMW-Chefdesigner Adrian van Hooydonk. Mit Handelsblatt sprach er über Design und Emotionen, den Erfolg von Geländewagen und die neuen Elektrofahrzeuge.
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Handelsblatt: Glückwunsch, Herr van Hooydonk. BMW-Chef Reithofer nennt Sie gerne den "wichtigsten Mann im Unternehmen".

Adrian van Hooydonk: Das Design ist eben das, was man als Erstes an einem Auto wahrnimmt. Es kann dazu verleiten, dass man an einer Straßenecke stehen bleibt, es entsteht vielleicht der Wunsch, das Auto zu berühren. Dann haben wir eine emotionale Bindung geschaffen, das wollen wir. Vielleicht will man dann eine Probefahrt machen - dann haben wir einen neuen Kunden.

Es kann aber auch schiefgehen. Ihr Vorgänger Chris Bangle hat mit einem eigenwilligen Heck beim 7er BMW zu massiven Kundenprotesten im Internet geführt.

Es muss einem klar sein, dass man Emotionen nicht programmieren kann. Wir müssen aber auch nicht alle Menschen auf der Welt begeistern.

Wer entscheidet denn, wie ein neues Auto aussieht? Sie oder der Vorstand?

Am Ende ist das natürlich der Vorstand. Bis dahin ist es aber ein langer Prozess, den mein Team und ich treiben und gestalten. Am Ende präsentieren wir dem Vorstand mehrere Vorschläge. Die müssen bestimmte Kriterien bereits erfüllen mit Blick auf ihre Funktion, die Umsetzbarkeit und das Budget. Bis zur endgültigen Entscheidung kann das dann auch mal emotional werden.

Bleiben wir bei dem, was wir heute sehen. Mein fünfjähriger Sohn sagt mir, ein BMW guckt böse.

Das ist natürlich auch Interpretationssache: Was Ihr Sohn als böses Gucken empfindet, empfinden wir als konzentrierten Blick. Autofahren ist für unsere Kunden eine Aktivität, eine, die vor allem Spaß macht. Wir vergleichen das mit einem Topathleten, der am Start steht. Der guckt nicht böse, der lächelt aber auch nicht - er ist konzentriert. Wir wollen nicht aggressiv wirken. Unsere Autos können schnell fahren, das ist klar. Aber es geht auch unseren Kunden nicht allein um Geschwindigkeit, sondern um Präzision.

Athletik, Kraft, Präzision - das sind vor allem männliche Attribute. Volvo hat einmal ein Auto vorgestellt, das nur von Frauen designt, aber nie gebaut wurde. Würden Sie so etwas riskieren?

Wir machen Design grundsätzlich im Wettbewerb. Und so ist mit dem Sportwagen Z4 zum ersten Mal ein Auto entstanden, das komplett von zwei Frauen gestaltet wurde. Nicht weil wir das so wollten, sondern weil diese Frauen sich so durchgesetzt haben.

Jette Joop hat uns ihre Vorliebe für Geländewagen gestanden. Heute ist jeder vierte BMW ein SUV. Macht die Gestaltung dieser großen und eigentlich wenig eleganten Form Spaß?

Ich habe damals die Gestaltung des X5, des ersten SUVs von BMW, miterlebt. Wir haben darauf geachtet, ein hochwertiges Fahrzeug mit sehr guten Fahreigenschaften zu schaffen. Dass der Markterfolg so groß werden würde, wussten wir nicht. Ich glaube, die Autos funktionieren so gut, weil sie einen aktiven Lebensstil ermöglichen. Man kann damit in der Stadt einkaufen, man kann aber auch mit einem Mountainbike im Kofferraum schnell auf die Berghütte.

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„Unsere Autos haben heute Internetanschluss“

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  • Es stimmt - das Design der Autos verändert sich. Aber nicht unbedingt zum Guten. Es wird weniger zeitlos und meistens wird dabei die Praxisfreundlichkeit - im Interesse des "Boaah-Effekts" im Verkaufsraum - geopfert. Man sollte sich auch darüber im klaren sein, daß das Automobil im Hinblick auf seinen Nutzwert seinen Zenith bereits überschritten hat und "Verbesserungen" eigentlich nur noch im Bereich Elektronik-Gimmicks stattfinden. Ich fahre einen 30 Jahre alten Mercedes W123 und wenn man die nach dieser Zeit etwas durchgesessenen Sitze aufpolstern läßt, fehlt einem rein gar nichts zum automobilen Glück. Man versuche mal, den Sitz eines aktuellen Autos aufpolstern zu lassen - das ist chancenlos, weil so viel Elektrik (Verstellung, Sitzbelegungserkennung und mehr) drin ist - sodaß man das nie wieder zusammenbekommt. Abgesehen von einigen eher häßlichen Kastenwagen, die der Nutzfahrzeugsparte des jeweiligen Konzerns entlehnt sind, findet man heutzutage kein einziges Auto mehr, das nicht eine Türoberkante auf Schulterhöhe hätte, aus dem man ohne Rückfahrkamera vernünftig raussieht und mit dem man ohne die Abstandswarner mit einem Schwung einparken kann. Dank eines vorbildlichen Wendekreises, der nur von Kleinstwagen wie Smart etc. unterboten wird, und einer superübersichtlichen Karosserie, schaffe ich das mit dem W123 spielend. Da haben die Entwickler eben langfristiger gedacht und waren nicht getrieben von den Shareholder-Value-gesteuerten Marketing-Jüngelchen.

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