BMW und Co
Ärger um die Zeitarbeiter

Derzeit setzen Autohersteller viele Zeitarbeiter in ihrer Produktion ein. Vor allem BMW erntet mit seiner Praxis Kritik und erhitzt die Gemüter.
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MünchenEs ist eine einfache Relation, die für BMW schwierig zu erklären ist. 11000 Zeitarbeiter hat der Autobauer unter Vertrag, so viele wie kein anderer in der Branche. Fast fünf Milliarden Euro Nettogewinn wird der Konzern heute verkünden - das beste Ergebnis der Firmengeschichte. Man könnte meinen, dass zwischen beiden Zahlen ein Zusammenhang besteht. So sieht das zumindest die IG Metall, die den Konzern beim Reizthema Leiharbeit seit Monaten in die Mangel nimmt. "Maßlos übertrieben" habe BMW, wetterte jüngst Aufsichtsrat Horst Lischka und drängt auf einen Haustarifvertrag für die gut 70000 inländischen Beschäftigten von BMW. "Wir müssen gemeinsam unsere Krisen- und Wachstumsflexibilität sicherstellen. Das ist auch wichtig für unsere Beschäftigungssicherung", sagt Personalchef Harald Krüger. Unternehmen bleiben vorsichtig.

Kaum ein Thema erhitzt in diesem Frühjahr die Gemüter zwischen Gewerkschaften und Personalchefs so stark wie die Leiharbeit. Der Druck wächst: Nach einer Studie der Beratungsagentur Rölfs Partner, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt, wird der Markt für Leiharbeit in diesem Jahr erneut um elf Prozent wachsen - nach 19 Prozent im Jahr 2011. Es fällt eine historische Hürde: "Demnach würde erstmals die jahresdurchschnittliche Anzahl von über einer Millionen Zeitarbeitern im Jahr 2012 überschritten werden", sagt Dietmar Flügel von Rölfs Partner. Im vergangenen Jahr waren es noch 982000. Vielen Unternehmen geht es im Moment wie BMW: In der Krise sanierte sich der Autohersteller mit einem massiven Personalabbau. Im Aufschwung griffen die Münchener vor allem auf Zeitarbeiter zurück - man traute der Entwicklung nicht. BMW will zwar massiv einstellen - 2011 und 2012 sollen es jeweils 4000 Mitarbeiter sein, erklärte Konzernchef Norbert Reithofer am Wochenende. Doch die Angst vor einer neuen Krise sitzt bei BMW wie im Rest der Wirtschaft tief.

Es ist vor allem diese Angst vor dem abrupten Absturz, in dessen Folge sich die Zahl der Zeitarbeiter in den vergangenen zehn Jahren in Deutschland verdreifacht hat. Neben der Metall- und Elektroindustrie versuchen auch Dienstleister aus dem Handel oder der IT-Industrie, über Zeitarbeit mit ihren Beschäftigten zu "atmen". "Viele Unternehmen haben die Konsequenz gezogen, ein Viertel ihres Personalbedarfs flexibel zu halten", sagt Branchenexperte Flügel.

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  • Guter Ansatz, aber man sollte beim Kauf eines gebrauchten Autos genauso darüber nachdenken als ob es ein Neuwagen wäre.

    Schließlich brauchen Sie auch für den gebrauchten Ersatzteile. Und der Kauf gebrauchter BMWs wirkt deren Wertverfall entgegen, wobei ein geringerer Wertverfall für manchen wiederum ein Argument für den BMW beim Neuwagenkauf ist.

  • Genau diese moderne Form des Sklavenhandels ist der Grund, weshalb BMW eine solch exzellente Marge hat. Nicht einmal die Bonuszahlung wird den Leiharbeitern gegönnt!

    Beim Kauf eines neuen Autos kann jeder einzelne selbst bestimmen, ob er ein solches Verhalten unterstützt, oder doch eher zu einem Konkurrenzprodukt greift.

  • Zeitarbeiter sind über Sklavenhändler oft mehr als 5 Jahre bei den unternehmen beschäftigt. Einziger Grund hierfür ist Lohndumping.
    Die Angst vor einem Absturz ist kein Argument. Die "Leistungsträger" im Management müssten doch einschätzen können, wie die Entwicklung weitergeht. Übrigens, Arbeitssklaven mit 6€ /Stunde kaufen auch keine deutschen Autos, ihnen fehlt schlichtweg das Geld. Festangestellte dann schon eher. Und nicht nur Autos. Binnennachfrage heißt das Zauberwort.

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