BMW
Zuversicht im Tank

BMW plagen derzeit große Probleme. Viel hängt jetzt von Betriebsratschef Manfred Schoch ab - er hat schon manche Krise gemeistert.

MÜNCHEN. Der Stapel Papier ist ebenso bunt wie geheim. Aus der Distanz sind Kurven und Diagramme auf den Blättern zu erkennen. Jede Folie zeigt ein Werk, jede Farbe steht für ein Automodell. Immer wieder tippt Manfred Schoch mit dem Finger auf die Datensammlung, die er so gerne zeigen würde. Birgt sie doch die Botschaft, die Schoch an diesem regnerischen Herbstmorgen auf jeden Fall loswerden möchte. "Wir können sehr weit in die Zukunft blicken", sagt Schoch fast konspirativ. Und die Zukunft für BMW, die soll rosig sein.

Die Blattsammlung "Langfristige Unternehmensplanung", bei BMW nur kurz LUP genannt, macht dem Betriebsratschef gute Laune. Sie verspricht Wachstum und Beschäftigung bis 2017 für den Autokonzern - wenn alle Rechnungen aufgehen. In den kommenden Monaten soll der Plan abgesegnet werden.

Schochs Optimismus ist kalkuliert. Er weiß um die bedrohliche Situation, in der BMW derzeit steckt. Seit Monaten rumpeln die Münchener durch die Krise, der Absatz stockt. In London und New York stehen mit den Investmentbankern die besten BMW-Kunden auf der Straße. Niemand weiß, wie schwer die Finanzkrise den Autokonzern am Ende noch treffen wird.

Schon jetzt verhageln nicht gedeckte Leasingwerte, teure Rohstoffe und Währungsverluste die BMW-Bilanz. Um mindestens 1,5 Milliarden Euro wird der Autokonzern das angestrebte Jahresergebnis verfehlen. Eine Gewinnwarnung hat den Aktienkurs schon Anfang August tief in den Keller geschickt.

Seitdem ist bei BMW Feuer unter dem Dach: 8 100 Stellen will der Autobauer in diesem Jahr streichen. Sonderleistungen und Erfolgsprämien stehen auf dem Prüfstand, die Belegschaft ist verunsichert. Viel hängt jetzt davon ab, wie gut Schoch und der gerade erst vorgestellte neue Personalvorstand Harald Krüger zusammenarbeiten. "Wir müssen jetzt etwas tun. Wenn der Patient im Sarg liegt, ist es zu spät", verteidigt Schoch die Einschnitte.

Durch die offenen Fenster des Betriebsratsbüros dröhnt und scheppert indes die triste Gegenwart hinein. Draußen rangiert ein Sattelschlepper mit Autotüren im Nieselregen. Wie beim Erzrivalen Mercedes sind die deutschen Werke immer noch das Rückgrat der Produktion. Die gilt es zu schützen.

Schoch ist ein Mann mit kerzengerader Haltung, wie ein Musterschüler in der ersten Reihe. Er weiß um die Gratwanderung, die er in diesen Tagen vollbringen muss. In der Mitarbeiterzeitung wirbt er um Verständnis für den Sparkurs. Vernunft, Augenmaß, gelebte Sozialpartnerschaft sind die Schlüsselworte. Öffentliche Schuldzuweisungen sind seine Sache nicht. Kein Wort über die riskante Produktionsausweitung der vergangenen Jahre oder über die gefährliche Rabattpolitik in den USA. Er weiß, dass die Sünden der Vergangenheit den Konzern viel Geld kosten werden. Schoch holt tief Luft. "Wir dürfen uns jetzt nicht zerfleischen", sagt er. "2008 wird der Tiefpunkt sein, da bin ich sicher." Kooperation, nicht Konfrontation, das sei traditionell der Kern der BMW-Kultur. Massendemonstrationen wie bei Daimler oder VW sieht die nicht vor.

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