Bo Andersson
Kampf um jeden Preis

Bo Andersson hat sich als Chefeinkäufer von General Motors einen Ruf als eiskalter Kostendrücker erarbeitet. Nun soll der Schwede den russischen Autobauer und Opel-Partner Gaz sanieren. Seine künftigen Geschäftspartner können sich auf ein diszipliniertes Schlitzohr einstellen.

DÜSSELDORF/WIEN/STOCKHOLM. Rund 300 der wichtigsten Zulieferer von General Motors sitzen in einem Saal und warten auf den Mann, der ihnen seit Jahren das Leben schwermacht. Bo Andersson, der gleich an das Rednerpult tritt, ist nicht irgendwer im Reich von General Motors. Andersson ist der Chefeinkäufer des Autoriesen. Derjenige, dem für Sitze und Spiegel nie eine Lieferfrist kurz genug, nie ein Preis niedrig genug ist. Viele der Anwesenden haben mit ihm bittere Kämpfe ausgefochten.

Und was macht Andersson? Er tritt nicht im Maßanzug vor seine Zuhörer, sondern im Vampirkostüm. Aus dem Mund blitzen extralange Schneidezähne aus Kunststoff, am Kinn klebt Ketchup. Die Botschaft an sein Publikum: Wenn ich euch schon bis aufs Blut aussauge, dann richtig! So viel Humor bricht jedes Eis. Bei jener Veranstaltung vor drei Jahren in den USA war Andersson der Star. Der Kostendrücker und seine Opfer feierten gemeinsam ein rauschendes Fest.

Doch eine pfiffige Idee für eine Rede und eine Karriere als Chefeinkäufer sind zwei Paar Schuhe. Als in dieser Woche bekannt wurde, dass Andersson GM verlassen würde, um den Chefposten beim russischen Autohersteller Gaz zu übernehmen, waren die ersten Kommentare aus der Branche eindeutig. „Gott sei Dank ist der Henker endlich weg“, schreibt ein Mitarbeiter eines GM-Zulieferers auf einer US-Webseite. „Andersson hat Firmen wie meine jahrelang ausgeplündert und ruiniert.“

Bo Andersson spaltet seine Weggefährten. Die einen schimpfen über seine Unerbittlichkeit, die anderen berichten beeindruckt von seiner Disziplin und Auffassungsgabe. Man könne Andersson fünf Minuten vor einer wichtigen Konferenz eine komplizierte Präsentation mit dreißig Charts vorlegen, erzählen Mitarbeiter. Der Chef klicke sich dann einmal durch und halte anschließend ohne Manuskript – und ohne einen zweiten Blick auf die Daten – frei eine Rede, bei der alle Aspekte mit allen Details richtig wiedergegeben sind.

Geschwindigkeit und Disziplin sind Eigenschaften, die Andersson über Jahre im Drill gelernt hat. Er sei der jüngste Offizier, der jemals in der königlichen schwedischen Armee gedient habe, heißt es über den Mann, der GM-intern auch gern „der Stabsoffizier“ genannt wird. Erst nach einer Militärkarriere wechselte er in die Autoindustrie – und begann 1987 beim schwedischen Hersteller Saab gleich als Vice President of Purchasing, als Chefeinkäufer.

1993 wechselte Andersson zu General Motors und erklomm dort schnell eine Karrierestufe nach der anderen. Sein Motto: „Es ist alles möglich, du musst es nur wollen und hart dafür arbeiten.“ Andersson wollte und schuftete. Nach verschiedenen Stationen auf dem GM-Heimatmarkt in den USA kehrte er 1997 nach Europa zurück und wechselte dann nach Rüsselsheim, wo er ab 1998 auch im Opel-Vorstand saß.

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