Böge-Vorgänger galt als Verfechter des freien Marktes
Ex-Kartellamtschef Wolf gestorben

Ein Ausbund rheinischen Frohsinns war Dieter Wolf nie. Ruhig und gelassen war er stets – vielleicht die beste Voraussetzung, um Präsident des Bundeskartellamtes zu werden.

HB DÜSSELDORF. Als er 1992 dort antrat, sorgte sich mancher, ob er den freien Wettbewerb so fördern würde wie sein Vorgänger Wolfgang Kartte. Schließlich war Wolf zuvor im Bundeswirtschaftsministerium für Industriepolitik zuständig gewesen – wirtschaftspolitisch quasi die andere Seite.

Doch die Bedenken waren schnell zerstreut. Der Jurist legte viel Wert auf die Unabhängigkeit seines Amtes. Weisungen von oben drohe er im Amt „ans schwarze Brett zu nageln“ – und befolgen würde er sie ohnehin nicht.

Im Fall der später von der EU genehmigten Fusion von Kässbohrer mit Daimler legte er sich sogar mit dem damaligen Wirtschaftsminister Günter Rexrodt an, der die „deutsche Zusage“ zur Fusion verkündet hatte.

In der Debatte um die 6. Kartellrechtsnovelle führte das Trommeln des obersten Wettbewerbswächters dazu, dass das deutsche Gesetz weniger an das EU-Recht angepasst wurde als ursprünglich geplant. Nicht durchsetzen konnte sich der gebürtige Neuwieder jedoch mit der Forderung, Post- und Telekommunikation unter die Kontrolle seines Amtes zu stellen.

1999 übergab er das Kartellamt an Ulf Böge, eines seiner letzten Projekte war der Umzug der Behörde von Berlin nach Bonn. Dort starb Dieter Wolf am Montag im Alter von 70 Jahren. Er hinterlässt seine Frau und eine erwachsene Tochter.

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