Boeing und Lufthansa
Zu zweit entwickelt es sich leichter

Die Entwicklung eines Flugezugs ist teuer – und somit mit großen Risiken verbunden. Damit der Konzern nicht am Markt vorbei produziert, kooperiert der US-Flugzeugbauer Boeing seit gut 40 Jahren mit der Deutschen Lufthansa. Nach wiederkehrenden Erfolgen macht das Beispiel mittlerweile verstärkt Schule.

SEATTLE. Die Volkswagen der Lüfte – der kurze, gedrungene Kurzstreckenjet B737 und der Langstreckenjumbo B747 – sind nicht allein in der Entwicklungsabteilung von Boeing entstanden. Sie entstammen einer bewährten deutsch-amerikanischen Kooperation des Flugzeugbauers mit der Deutschen Lufthansa. Gemeinsam entwickeln sie seit den 60er-Jahren Flugzeuge.

Das Dilemma, das Hersteller und Fluggesellschaft zusammenführt: Die Entwicklung eines Flugzeugs kostet nicht nur Milliarden Euro, sondern dauert auch Jahre, und muss daher unter Annahmen erfolgen, die fast Hellseherei voraussetzen. Das sieht mittlerweile die ganze Branche so und setzt auf Kooperationen, wie Boeing und Lufthansa sie vormachen.

Auch bei der jetzt in Seattle vorgestellten dritten Weiterentwicklung des Langstreckenjumbos, der B747-800 ließen sich Boeing und Lufthansa wieder aufeinander ein. Nachdem die zuvor von Boeing im Alleingang entwickelte Folgestudie B747-400XQ bei potenziellen Kunden durchgefallen war. „Für einen Flugzeugbauer wie Boeing liegt aufgrund der hohen Entwicklungskosten die größte Gefahr darin, ein Flugzeug zu entwickeln, dass keine Fluggesellschaft der Welt braucht und kauft“, sagt Scott Carson, Chef der Zivilflugzeugsparte von Boeing.

Doch die Kooperation bietet auch für Lufthansa gewichtige Vorteile: „Wir sind einer der größten Betreiber und durch Lufthansa Technik auch einer der größten Instandhalter des Vorgängermodells, der B747-400, und an einem guten Nachfolger deshalb sehr interessiert“, sagt Lufthansa-Flottenstratege Nico Buchholz. Ein weiterer Grund: Lufthansa drohte zu sehr in die Abhängigkeit des anderen großen Flugzeugbauers aus Europa, Airbus, zu geraten. Die Order über 20 B747-800 sowie eine Option über 20 weitere gehören zu den ersten Bestellungen von Lufthansa bei Boeing seit mehr als 15 Jahren.

Die Entwicklungsarbeit an der B747-800 begann 2002. Ein Team beider Konzerne traf sich jeden Monat und diskutierte, wie die „alte“ B747-400 modernisiert werden könnte. Die Herausforderung: Weiterentwicklung ja, Neuentwicklung nein. Es sollte keine Revolution geben wie mit dem Dreamliner, der B787, oder dem Riesenjet A380 von Airbus, die jeweils Folgeinvestitionen nach sich zogen. Schließlich will Lufthansa mit der B747-800 die 400er ersetzen und auf etablierten Strecken expandieren. „Für unsere Piloten und Wartungsingenieure wird der neue Jumbo keine große Umstellung“, sagt Buchholz.

Neben der Lufthansa waren noch sechs andere Fluglinien an der Entwicklung der B747-800 beteiligt – unter anderem der Erzfeind Emirates aus Dubai. Die Deutschen setzten sich mit ihren Vorstellungen aber größtenteils durch. Dazu gehörten eine Kapazitätserweiterung (50 Sitze mehr), eine bessere Umweltverträglichkeit (30 Prozent weniger Lärm) sowie eine höhere Produktivität (15 Prozent weniger Spritverbrauch). Emirates hatte demgegenüber auf Grund des eigenen Drehkreuzes zwischen den Kontinenten auf eine größere Reichweite gedrängt. „Boeing setzt mit Lufthansa eine traditionsreiche Zusammenarbeit fort und hat damit einen Erstkunden, dessen Bedürfnisse denen anderer Linienfluggesellschaften Europas, Amerikas und Asiens sehr ähnlich sein dürfte. Emirates dagegen hat extrem hohe Anforderungen an die Reichweite und gilt daher als Exot“, erklärt Luftfahrtexperte Heinrich Grossbongardt.

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