Börsenaufsicht ermittelt
Der größte Hedge-Fonds-Betrugsfall aller Zeiten

Die Namen Madoff oder Stanford sind inzwischen weltbekannt. Und sie sind verbunden mit den Begriffen Betrug, Schneeballsystem und Milliardenverlust. Nun erscheinen zwei neue Namen auf der Liste der mutmaßlichen Betrüger: Paul Greenwood und Stephen Walsh. Die zwei Hedgefonds-Manager sollen mit dem Geld anderer Leute ein ausschweifendes Leben geführt haben.

NEW YORK. Paul Greenwood und Stephen Walsh, zwei New Yorker Hedgefonds-Manager, führten ein unbeschwertes Leben und gaben viel Geld aus. Das Problem: Es gehörte ihnen nicht. Die amerikanische Kapitalmarktaufsicht SEC wirft den beiden Männern vor, ihre Investoren um insgesamt 553 Mio. Dollar betrogen zu haben.

In der Anklage heißt es, die Finanzmanager hätten den Fonds missbraucht "als privates Sparschwein zur Finanzierung eines luxuriösen und verschwenderischen Lebensstils". Dazu zählte "der Kauf von millionenschweren Villen, eines Rennstalls, Autos, Pferden und exklusiven Sammlerstücken wie Teddybären von Steiff". Der teuerste Teddy soll 80 000 Dollar gekostet haben.

Wenn sich die Vorwürfe erhärten, wäre dies "der größte Hedgefonds-Betrug aller Zeiten", sagte der auf diese Anlageform spezialisierte Risikoanalyst Chris Addy dem Wall Street Journal. Der 61-jährige Greenwood und der 64-jährige Walsh betrieben mehrere Firmen, darunter die WG Trading Co. Und die WG Trading Investors LP in Greenwich (Connecticut) und die Westridge Capital Management Inc. im kalifornischen Santa Barbara. Sie gaukelten ihren Investoren eine vergleichsweise konservative Anlagestrategie auf der Basis von Indexwetten vor.

Nach Erkenntnissen der Ermittler sammelten sie auf diese Weise 668 Mio. Dollar ein, veruntreuten aber den größten Teil. Zu den Opfern gehören die University of Pittsburgh, die 65 Mio. Dollar angelegt hatte, und die ebenfalls in Pittsburgh ansässige Carnegie Mellon University mit 49 Mio. Ein Pensionsfonds der Angestellten im öffentlichen Dienst des Staates Iowa hatte sogar 339 Mio. Dollar investiert, ein Pensionsfonds der Bezirksangestellten von Sacramento fast 90 Mio. Dollar.

Greenwood und Walsh befinden sich dem Wall Street Journal zufolge auf freiem Fuß, nachdem sie eine Kaution von jeweils sieben Mio. Dollar hinterlegt haben. Ein dritter Mann, der bei den beiden angestellt war und offenbar auf eigene Rechnung einen weiteren Betrugsfonds unterhielt, wurde gegen drei Mio. Dollar freigelassen. Die beiden geschädigten Hochschulen haben eine zivilrechtliche Klage gegen Greenwood und Walsh eingereicht und beantragt, deren Vermögen einzufrieren.

Der Betrugsfall ist der vorerst letzte in einer ganzen Serie von aufgedeckten Gaunereien in den USA. Als erster flog im vergangenen Dezember der New Yorker Hochstapler Bernard Madoff auf, der mit einem Schneeballsystem 50 Mrd. Dollar veruntreut haben soll. Dann wurde vor wenigen Wochen der texanische Milliardär Robert Allen Stanford angeklagt:

Er soll Investoren mit falschen Angaben getäuscht und um rund acht Mrd. Dollar geprellt haben, möglicherweise hat er außerdem ebenfalls ein Schneeballsystem betrieben. Richard Schoenstein, Anwalt für Kapitalmarktrecht in der New Yorker Kanzlei Pryor Cashman LLP, erklärt, warum so viele Kriminelle gerade jetzt auffliegen: "Es ist leichter, betrügerische Machenschaften zu verstecken, wenn die Wirtschaft gut läuft. In einer Finanzkrise, wenn die Leute knapp bei Kasse sind, finden Schneeballsysteme ihr natürliches Ende."

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