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Die Unbeirrbare der Londoner Börse

Noch ist Clara Furse nicht weg, aber ab heute beginnt ihre Abschiedszeit. Die Vorstandsvorsitzende der London Stock Exchange arbeitet ab sofort ihre Nachfolger Xavier Rolet ein. Mit Furse geht eine spektakuläre Persönlichkeit in dieser eigentlich grauen Branche. Sie hat zahlreiche Schlachten geschlagen und auch Deutschland heftig bewegt.

DÜSSELDORF. Eines kann man Clara Furse nach ihrer achtjährigen Amtszeit als Vorsitzende der Londoner Stock Exchange wahrlich nicht vorwerfen: dass sie wankelmütig sei. Fünf Übernahmeangebote wehrte Furse ab, darunter Angebote der Deutschen Börse und der Nasdaq. Sie alle scheiterten am eisernen Willen von Clara Furse, die die LSE um keinen Preis unter Wert verkaufen wollte und lange darauf setzte, dass die LSE auch ohne Kooperationen bestehen könne.

Viel Kritik musste die Mutter von drei Kindern dafür einstecken. Durch ihr Festhalten an der Eigenständigkeit der LSE machte sich Furse viele Feinde, auch im eigenen Land. Im Mai tritt sie nun von ihrem Amt zurück, als erste Frau in der über 300-jährigen Geschichte der LSE überhaupt war sie 2001 zur Geschäftsführerin der LSE geworden. Ihr Vorgänger, Gavin Casey, musste nach einer geplatzten Fusion den Stuhl räumen. Unter Clara Furse sind fünf Fusionen geplatzt.

Die erste größere Klippe ihrer Karriere musste sie gleich zu Anfang ihrer Amtszeit umschiffen: Nach dem Börsengang im Juli 2001 verstärkte die LSE ihre Anstrengungen hinsichtlich einer Fusion mit der Londoner Terminbörse (Liffe). Eigentlich eine fast sichere Sache, war Furse doch von 1997 bis 1999 Deputy Chairman bei Liffe und verfügte somit über entscheidende persönlichen Kontakte. Der Deal platzte allerdings im letzten Moment und das, trotz des höheren Angebots der LSE. Am Ende sicherte sich Liffe die Vierländerbörse Euronext.

Ohne diese Niederlage wäre die LSE vielleicht nie zu einem so begehrten Übernahmekandidat geworden - unkte man später. Und in der Tat war die LSE in Furses Amtszeit ein höchst begehrter Fusionspartner. 2004 galt die LSE unter Beobachtern als eindeutiger Übernahmekandidat. Zwar verfügte sie über den größten Kassamarkt Europas und die Gewinne dort waren beachtlich, doch den Weg zu einer breiteren Aufstellung und damit zur Erschließung neuer Gewinnquellen wurde versäumt. Die Entwicklungschancen für den künftigen Eigner schienen hervorragend. Wer London gewinnt, wird eindeutig Nummer Eins unter Europas Börsen, hieß es damals.

Clara Furse ließ sich davon nicht beirren. Ein Angebot der Deutschen Börse, von 5,30 Pfund pro LSE-Aktie, mit einem Gesamtwert von knapp 2 Milliarden Euro schlug sie als "nicht adäquat" aus. Der zweite Bieter, Euronext, zierte sich anschließend solange, bis die "First Lady" schließlich ganz ohne Übernahmepartner dastand. Und das fanden die Investoren an der heimischen Front überhaupt nicht witzig. Die erhoffte Konsolidierung der europäischen Börsen war damit in ebenso weite Ferne gerückt wie eine glaubhafte Wachstumsalternative.

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