Börsenmanager Heinrich Schaller
Der Osteuropa-Experte an der Wiener Börse

Die Stimmung von Heinrich Schaller hat sich inzwischen wieder deutlich verbessert – wie weltweit bei den meisten Börsenmanagern. Die Indizes sind aus den tiefsten Tälern heraus, und Schaller hat schon wieder neue Pläne: Er will weiter in Osteuropa expandieren – und hat sich dafür gerade eine Kapitalerhöhung genehmigen lassen.

WIEN. Nach Expansion sah es noch vor wenigen Monaten nicht aus: Die Wiener Börse hatte die Krise besonders hart getroffen. Nach seinem Hoch im Sommer 2007 bei knapp 5 000 Punkten waren vom Wiener ATX Anfang dieses Jahres gerade noch 1 400 Zähler übrig geblieben – ein Absturz von ungefähr 75 Prozent. Damit war Wien stärker als andere Börsenplätze abgestraft worden. Groß war zu dieser Zeit die Sorge unter den Anlegern, dass die stark in Osteuropa engagierten österreichischen Unternehmen größeren Schiffbruch erleiden könnten.

Doch das ist Geschichte. Aktuell bewegt sich der Wiener Leitindex immerhin wieder an der Grenze von 2 000 Zählern, Börsenchef Schaller kann also wieder viel beruhigter schlafen und tagsüber weiter expandieren – trotz Krise.

Im zurückliegenden Jahr haben es die Österreicher geschafft, mit ihrem geplanten Ost-Börsenverbund ein ziemliches Stück voranzukommen. Zwar haben die Wiener wegen ihrer bescheidenen Größe längst nicht die finanziellen Möglichkeiten wie die Konkurrenten in Frankfurt, London oder New York. Trotzdem ist es ihnen gelungen, sich ein kleines, aber feines Börsenreich zu kaufen: Die Handelsplätze in Budapest, Prag gehören inzwischen genauso zur Wiener Börse wie Ljubljana. Jetzt schicken sich die Österreicher an, ihren Einflussbereich in Osteuropa noch weiter zu vergrößern. Eine Kapitalerhöhung von 100 Millionen Euro, die größte in der Unternehmensgeschichte, haben sich Schaller und sein Vorstandskollege Michael Buhl von ihren Aktionären genehmigen lassen.

Und natürlich soll dieses Geld für Zukäufe im Osten verwendet werden. „Das Ganze kann sehr schnell gehen. Niemand hätte vor einem Jahr gedacht, dass die Prager Börse verkauft wird“, sagt Schaller. Mögliche Übernahmekandidaten wären die Börsen in Zagreb und in Warschau. Für Letztere bietet auch die Deutsche Börse. Doch Schaller ficht das nicht an. Seit er vor drei Jahren in den Vorstand wechselte, hat er das Unternehmen vergleichsweise unbeschadet durch die Krise gesteuert. Ergo genießt der 49-Jährige bei den Banken – den größten Anteilseignern der nicht notierten Börse – einen tadellosen Ruf. Besonders stark ist seine Stellung in der Raiffeisen-Gruppe, seiner beruflichen Heimat. Dort hatte der studierte Jurist 1987 seine Karriere begonnen – und dorthin wird er möglicherweise auch nach der Zeit an der Börse zurückkehren.

Die Raiffeisen-Gruppe besteht zu einem wesentlichen Teil aus Landesbanken, die in den einzelnen Bundesländern der Alpenrepublik stark verwurzelt sind. Und Schallers Name fällt regelmäßig, wenn in der Bankenszene über einen Nachfolger für den Chef der Raiffeisen-Landesbank im oberösterreichischen Linz getuschelt wird. Raiffeisen hatte Schaller vor drei Jahren als Börsenvorstand eingesetzt. Gut möglich, dass der geborene Linzer dann wieder zu seinen Wurzeln zurückkehrt.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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