Börsenskandal
Vom Top-Manager zum Top-Häftling

Lange war er der Liebling der Wirtschaftswelt in Singapur, jetzt muss Chen Jiulin für mehr als vier Jahre hinter Gittern. Der ehemalige Chef des Kerosinlieferanten CAO hatte vor zwei Jahren mit Flugbenzin 550 Millionen Dollar verspekuliert – und damit den zweitgrößten Börsenskandal nach Nick Leeson ausgelöst.

PEKING. Chen gab vor einem Gericht in Singapur sechs von 15 Anklagen zu, unter anderem falsche und irreführende Angaben gemacht sowie die Börse Singapur über die Verluste nicht ordnungsgemäß informiert zu haben. Der Ex-CAO-Chef gestand auch ein, dass er daran mitgewirkt habe, die Deutsche Bank zu beschummeln. Das Frankfurter Institut hatte noch fünf Wochen vor dem CAO-Kollaps Aktien des Unternehmens im Wert von umgerechnet knapp 100 Millionen Euro bei instituitionellen Anlegern plaziert – da braute sich schon der Zusammenbruch hinter den Kulissen zusammen.

CAO ist einer der größten Kerosin-Händler in Asien. Die Tochter des Staatskonzerns China Aviation Oil Holdings Co. (CAOHC) kauft das gesamte Flugbenzin für die Volksrepublik China. Das Unternehmen war von Chen seit 1997 saniert und im Dezember 2001 an die Börse Singapur gebracht worden. Eine Erfolgsstory.

2003 bekam die lupenreine Karriere von Herrn Chen einen Knick. Er begann auf sinkende Ölpreise zu wetten. Doch der Ölpreis stieg und stieg. Als die Vereinbarungen Anfang 2004 fällig wurden, setzte Chen auf noch riskantere Spekulationen. Als CAO im Herbst kollabierte, hatte sich ein Verlust von 550 Millionen Dollar angehäuft. Die Bombe platzte.

Der Fall hat auch eine pikante politische Note. Erstmals wurde in dem autoritären Stadtstaat Singapur ein Festlandschinese als Manager verhaftet und verurteilt. Und CAO galt stets als Modelfall: Singapur hat immer wieder chinesische Firmen für seine Börse umworben und ist im Gegenzug ein großer Investor in China.

In den vergangenen Wochen waren bereits mehrere ehemalige CAO-Manager verurteilt worden, darunter Finanzchef Peter Lim. Analysten begrüßten die Strafen am Dienstag. „Es ist richtig, dass Singapur ein klares Signal setzt“, so Pieter van Putten, Managing Director von APS Asset Management. Der Aufstieg des Bauernsohns Chen Jiulin erlebte mit dem Urteil nun den endgültigen Absturz.

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