„Bombige Gehälter ausgezahlt“
Unternehmer in rund 170 000 Betrugsfällen angeklagt

Wegen Betruges in fast 170 000 Fällen muss sich seit Montag ein Unternehmer vor dem Landgericht Lübeck verantworten. Der 50-Jährige legte zu Prozessbeginn ein Geständnis ab.

HB LÜBECK. Das Gericht wirft dem Mann vor, Tierschützer des Vereins Arche 2000 in Seeth-Ekholt bei Elmshorn durch den unberechtigten Einzug von Mitgliedsbeiträgen um mehr als 9,2 Millionen Euro betrogen zu haben. Außerdem soll er einen Millionenbetrag für private Zwecke gebraucht sowie mehr als 3,2 Millionen Euro Körperschaftssteuern hinterzogen haben. "Es ist alles aus meiner Idee entstanden. Ich bin komplett dafür verantwortlich", sagte der Angeklagte.

Die Anklage habe den Ermittlungszeitraum aus Zeitgründen auf die Jahre 2003 bis 2004 beschränken müssen, sagte Staatsanwalt Henning Struck. Aber auch in den Vorjahren seien Millionenbeträge unrechtmäßig von den Mitgliedern des Tierschutzvereins eingezogen worden.

Dem Angeklagten wird bei den insgesamt 1 293 Einzelstraftaten auch vorgeworfen, Mitgliedsbeiträge bei der Umweltschutzverein Arche 2000 in Strasburg eingenommen zu haben. Hier sollen insgesamt fast eine Millionen Euro in die Vereinskasse geflossen seien.

Der Beschuldigte hatte sich nach eigener Aussage um den Tierschutzverein Arche 2000 ein weit vernetztes Firmengeflecht aus Autovermietung, Grafik- und Baubetrieben gegründet. Gelder des Tierschutzvereines waren überdies in ein Motocross-Team des 50-Jährigen gewandert. "Ich habe aber keine kriminellen Ziele verfolgt", sagte der Beschuldigte. Das ganze Ausmaß seiner Taten sei ihm erst in der Untersuchungshaft bewusst geworden.

Der Angeklagte benutzte das Konto der Tierschutzorganisation ebenfalls für seine privaten Ausgaben, da er sich aufgrund eines älteren Insolvenzverfahrens kein eigenes Gehalt auszahlte. Die Höhe seiner Ausgaben konnten aber nicht genau beziffern werden. der Richter hielt ihm vor, von dem Geld der Arche auch einen 600er Mercedes für sich gekauft und Partys im Wert von rund 30 000 Euro veranstaltet zu haben.

Neben dem Unternehmer hat die Staatsanwaltschaft aus dem Umkreis der etwa 20 weiteren Tatverdächtigen zunächst drei weitere frühere Mitarbeiter von Arche 2000 beschuldigt. Ihnen wirft die Anklage vor, an Betrugs- und Steuerstraftaten beteiligt gewesen zu sein.

Der 50-jährige Hauptbeschuldigte erklärte dem Richter, mit falsch ausgestellten Quittungen und unechten Reisekostenabrechnungen seien den drei Mitangeklagten "bombige Gehälter von bis zu 10 000 Euro monatlich" gezahlt worden.

Der Tierschutzverein ist seit April 2005 im Insolvenzverfahren. Bisher wurden neun weitere Verhandlungstage angesetzt.

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